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  • Fragen zur Klausurvorbereitung im WiSe 2011-12
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1. Was wird unter dem Begriffspaar induktiv/deduktiv verstanden?

Induktion = Erfahrungen in begrenzter Anzahl ausreichend für Schlussfolgerung eines allgemeinen Gesetzes

Deduktion = Überprüfung einer Theorie/ eines allgemeinen Gesetzes im Vergleich mit der Wirklichkeit (dem Einzelfall)

Diese Definitionen habe ich aus dem wissenschaftlichen Arbeiten der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften. Ich habe das Gefühl, dass das nicht so ganz mit unserer Definition aus dem Tutorium übereinstimmt...

induktiv: vom Konkreten zum Allgemeinen   deduktiv: vom Allgemeinen zum Konkreten

Die Kultur- und Sozialanthropologie spricht von Induktion wenn ein KSAnthropologe erst ins Feld geht und dann anhand seiner gesammelten Daten eine Theorie aufstellt.

Die Kultur- und Sozialanthropologie spricht von Deduktion wenn eine KSAnthropologin erst eine Theorie aufstellt und dann versucht sie durch die Ergebnisse ihrer Feldforschung zu untermauern.

Die induktive Herangehensweise an Theorien ist die bevorzugte Herangehensweise der SKA.

2. Was wird unter dem Begriffspaar synchron/diachron verstanden?

Synchrone Theorien: Interpretation der Beziehungen der Sachverhalten zueinander, gleicher Zeitpunkt

Diachrone Theorien: Interpretation der Beziehungen der Sachverhalten zueinander entlang von Zeiträumen, verschiedenen Zeitpunkten

Entnommen der Präsentation von Thilo Grätz.

Begriffspaar um theoretische Ansätze zu analysieren

synchron: zeitgleich, Gleichzeitigkeit, auf einer Zeitebene   diachron: Zeitverlauf (Entwicklung)

Synchrone Theorien: Kulturrelativismus, Struktur- und Funktionalismus

Diachrone Theorien: Evolutionismus, Diffusionismus, Historischer Partikularismus

3. Was wird unter dem Begriff „emische Perspektive“ verstanden?

emisch: von innen heraus/ Innensicht   etisch: von außen betrachtend/ Außensicht

Unter dem Begriff "emische Perspektive" wird das Bestreben der SKA verstanden, die Dinge aus sich selbst heraus (mit den Augen eines Insiders) zu verstehen und zu bewerten, und nicht aus dem Kontext der Kultur/Sozialisation der betrachtenden Person heraus.

4. Was ist Ethnographie?

Unter Ethnographie versteht man zum einen die Forschungstätigkeit in der Ethnologie bzw. der Sozial- und Kulturanthropologie, also die Feldforschung, und zweitens das Produkt dieser Forschung, den Text in schriftlicher Form (z.B. Argonauten des westlichen Pazifik von Bronislaw Malinowski).

5. Welches waren die ersten großen Theorieentwürfe in der Sozial- und Kulturanthropologie und in welchem Kontext entstanden sie?

Der Evolutionismus und der Diffusionismus entstanden im Zuge des Kolonialismus, der Aufklärung, des Darwinismus und des Positivismus (Ausschluss des Spirituellen, Fakten zählen).

6. Was kennzeichnet den Evolutionismus? Nenne einen Vertreter.

Der Evolutionismus ist durch die Annahme von Entwicklungsstufen vom niederen zum höheren gekennzeichnet, die jede Kultur durchläuft oder durchlaufen hat. Als höchste Stufe wird der "zivilisierte Mensch" in europäischen und nordamerikanischen Gesellschaften (die eigene Gesellschaft der Forscher) angesehen. Anhand der "primitiven" und "wilden" Gesellschaften könne man Rückschlüsse auf die menschliche Geschichte ziehen.

Einer ihrer Vertreter war Edward Burnett Tylor (1832-1917). Tylors Definition von Kultur („the complex whole") ist noch heute relevant in der SKA und sein Blick auf die Religion (der Glaube an spirituelle Wesen) war damals revolutionär.

Andere waren Lewis Henry Morgan (1818-1881), James Frazer (1854-1941), Herbert Spencer (1820-1903).

Kritisiert wurden die Anthropologen aus dieser Zeit vor allem, da sie als "arm chair" Anthropologen galten, die sich willkürlich Texte und Reiseberichte vornahmen und daraus ihre großen Theorieentwürfe entwickelten, also deduktiv und spekulativ vorgingen.

7. Welche Kritik übte Franz Boas am Evolutionismus?

Boas kritisierte:

  • universaler Anspruch
  • einlinige Entwicklung
  • Wertung von Menschen/Kulturen nach angenommenen Entwicklungsstufen, eigene (euro-amerikanischen) Gesellschaften auf der höchsten Stufe
  • teleologische Vorstellung von Entwicklung
  • keine Feldforschung => Lehnstuhlethnologen
  • Generalisierungen
  • deduktives Vorgehen
  • Eurozentrismus/Ethnozentrismus
8. Was ist Kulturrelativismus und was ist historischer Partikularismus?

Historischer Partikularismus:

  • keine universellen Stufen der Kulturentwicklung
  • jeder historische Augenblick und jede historische Erscheinung ist unvergleichbar und einzigartig
  • => Multikausalität historischer Entwicklungen
  • jede Gesellschaft hat ihre individuelle Geschichte.

Kulturrelativismus ist die Theorie, nach der kulturelle Phänomene nur in ihrem eigenen Kontext verstanden, beurteilt und bewertet werden können.

Der Kulturrelativismus wendet sich gegen den Evolutionismus, dem er die ungerechtfertigte Anwendung externer, aus der europäischen Wissenschaft stammender Maßstäbe auf fremde Kulturen vorwirft.

Wichtige Ansätze des Kulturrelativismus:

  • Jede Kultur muss als Ganzheit angesehen werden. (Holismus)
  • Jede Kultur hat ihre eigene Geschichte und Entwicklung und es gibt keine Notwendigkeit, Kulturen in Abstufungen von Entwicklung zu messen. (Historischer Partikularismus)
  • Emische Betrachtung einer Kultur erfordert Feldforschung (gegen Lehnstuhlethnologen).
  • Verzicht jeder Bewertung fremdkultureller Phänomene => vorurteilsfreie Forschung.

Als wichtigster Vertreter des Kulturrelativismus gilt Franz Boas (1858-1942).

9. Welches waren die wichtigsten Ideen der Culture and Personality Studies?

Culture and Personality Studies: Forschung über die Persönlichkeitsprägung durch Kultur und Gesellschaft im Kontext der US-amerikanischen Kulturanthropologie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

  • Die Persönlichkeitsentwicklung ist von der Kultur bestimmt (Kulturdeterminismus).
  • menschliche Verhaltensweisen sind nicht angeboren, sondern erlernt (vgl. Sozialisation, Enkulturation).
  • Soziale Rollen und Probleme sind ebenfalls von der Gesellschaft bestimmt. Nicht nur Sozialisation, auch Unterdrückung, Krieg und Gewalt basieren auf kulturell gelernte Mustern, und sind daher veränderbar
  • Jeder Kulturtypus bringt einen bestimmten Persönlichkeitstypus hervor.

Wichtige Vertreterinnen: Ruth Benedict, Margaret Mead, Cora DuBois.

10. Was bezeichneten für Ruth Benedict die Begriffe dionysisch und apollinisch?

Beide Begriffe wurden ursprünglich von Friedrich Nietzsche in "Die Geburt der Tragödie" geprägt.
Hierbei werden menschliche Verhaltensmuster nach den Eigenschaften der Götter Apollon und Dionysos eingeteilt.

apollinisch: - Menschen bleiben bei Ritualen stehts "klar", benutzen keine Rauschmittel (eher Praxis der Selbstverletzung oder des Fastens), Ziel ist keine Ekstase.

dionysisch: - Menschen versuchen durch Rauschmittel in Trance/in eine höhere Sinnesebene zu gelangen.

Ruth Benedict benutzt diese Begriffe, um die Unterschiedlichen Persönlichkeitstypen zu beschreiben, die ihr zufolge in indigenen Kulturen im Südwesten der USA auftreten.

11. Wie hat sich seit den Culture and Personality Studies das Verständnis des Verhältnisses zwischen Individuum und Kultur gewandelt?
  • man geht mehr von einem Wechselspiel zwischen Individuum und Kultur aus
  • es gibt individuelle Unterschiede
  • dem Individuum wird mehr agency zugesprochen
12. Was ist die person centered ethnography?

Ethnographische Methode, bei der das individuelle Erleben fokussiert wird (Levy).

13. Was ist Funktionalismus? Nenne einen Vertreter.

Malinowski. Funktionalismus untersucht sozialer Institutionen im Hinblick auf den Nutzen, den sie für die Befriedigung individueller (Grund-)bedürfnisse haben.

14. Warum wird Malinowski als einer der „Gründerväter“ der Sozial- und Kulturanthropologie gesehen?
15. Was ist Strukturfunktionalismus? Nenne einen Vertreter.

Strukturfunktionalismus untersucht soziale Institutionen im Hinblick auf ihren Nutzen für den Zusammenhalt der Gesellschaft.

Radcliffe-Brown, E.E. Evans-Pritchard (zwar Methoden-Schüler von Malinowski, aber theoretisch eher Strukturfunktionalist)

16. Worin unterscheiden sich Funktionalismus und Struktufunktionalismus?

Funktionalismus: soziale Institutionen bilden antworten auf menschliche Grundbedürfnisse.

Bsp. Ritual => psychologische Funktion für Individuum.

Strukturfunktionalismus: soziale Institutionen fördern gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Bsp. Ritual => Funktion für Erhalt der Sozialstruktur.

17. Wie erklärt E.E. Evans-Pritchard das Phänomen der Hexerei bei den Zande?
  • Hexerei nimmt bei den Zande die erklärende Funktion ein, die bei "uns" "Zufall" einnimt.
  • Ursache für unglücklichen Ausgang von Vorkommnissen.
  • Hexerei spiegelt für E.-P. soziale Konflikte wieder.
  • sorgt für sozialen Zusammenhalt => implizite Normen zur Konfliktbearbeitung; Grund für Rituale etc.
  • "Sündenbockfunktion"
18. Welche methodische Herangehensweise gilt insbesondere für die Erforschung von Religion?
  • Methodologischer Agnostizismus, phänomenologisch.
19. Welche These verbindet sich mit Tylors "Animismus"?
  • Evolutionismus: 3 Entwicklungsstufen der Religion:
  • Animismus => Polytheismus => Monotheismus
  • Religion ist Glaube an spirituelle Wesen, entstanden aus Vorstellung von Beseeltheit der Dinge, letztere wiederum entstanden aus Erfahrung des "primitiven Menschen" von der Trennung von Körper & Seele im Traum, etc.
20. Was ist die Säkularisierungsthese?
  • These von Max Weber: "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus"
  • Kapitalismus ensteht aus religiösen Vorstellungen im Calvinismus
  • Entkoppelung von kapitalistischer Logik von religiösen Ideen
21. Was betont Clifford Geertz in seiner Definition von Religion?
  • Religion als Symbolsystem, das bestimmte Vorstellungen vom Sein postuliert und sie mit einer Aura von Wahrhaftigkeit umgibt, die sie als einzig wahr wirken lässt.
  • Symbolsystem wirkt Handlungsmotivierend
22. Welche unterschiedlichen theoretischen Herangehensweisen gibt es in der Medizinethnologie?
  • Critical Medical Anthropology: globale Perspektive, Einfluss von Machtverhältnissen
  • interpretativ-konstruktivistischer Ansatz: Betrachtung des sozialen Umfeldes/der sozialen Einbettung von Krankheitserfahrungen.
  • ökologisch-biologischer Ansatz: Einfluss von Umweltbedingungen auf Krankheit...
  • angewandte Medizinethnologie: Verbesserung der compliance ("Mitarbeit" des Patienten bei der Behandlung)
23. Was bezeichnet die Unterscheidung in „illness“, „disease“ und „sickness“ und wer hat sie geprägt?

disease: meint die objektive "Krankheit", die eigentliche Disfunktion der Körperabläufe im biologischen Sinne, die bestimmte Symptome hervorruft und durch den Arzt/Heiler etc. festgestellt werden kann

illness: meint die subjektive Konstruktion von "krank sein", bezieht sich auf die psychosozialen Erfahrungen, Wahrnehmungen und die Bedeutung der Störung für das Individuum und seine Umwelt, bezieht also die psychosozialen und kulturellen Erfahrungen (Wertungen, Interpretationen) mit ein

sickness: meint das Verständnis der Funktionsstörung in Bezug auf die das makrosoziale (ökonomische, politische, wirtschaftliche) Umfeld, die durch gesellschaftliche Faktoren bestimmte Krankheit

=> Arthur Kleinman

24. Was ist Biomedizin?

Gemeint ist die westliche Schulmedizin.

25. Wie bezeichnet Marcel Mauss den Gabentausch in den von ihm beschriebenen Gesellschaften und welche Merkmale schreibt er ihm zu?
  • totale soziale Tatsache => System des Gabentauschs greift in viele verschiedene Lebensbereiche ein.
  • totale soziale Leistung => System des Gabentausches bringt soziale Gruppen miteinander in Beziehung.
  • Gaben müssen gegeben, genommen und erwidert werden.
26. Was ist Kula?
  • Ringhandelssystem zwischen den Inseln vor Ost-Neuguinea (Trobriand/Kiriwina-Archipel), bei dem neben Waren hauptsächlich Gaben getauscht werden.
27. Was ist der Unterschied zwischen Formalismus und Substantivismus?
  • Erklärungsansätze zu Wirtschaftsformen, Debatte von 1950 - 1970 geführt
  • Formalismus sucht nach universellen Regeln des wirtschaftlichen Handelns
  • Substantivismus verneint diesen Ansatz und betont die Einbettung in soziale Beziehungen und kulturell bedingte Normen

Formalismus

Substantivismus

Wirtschaft funktioniert immer
nach gleichen Grundprinzipien

lokale Wirtschaftsform abhängig von
sozialen und kulturellen Logiken

Optimierung der Nutzung
vorhandener Ressourcen
(verschiedene Ressourcen
in verschiedene Kulturen)

Bedürfnisbefriedigung

universelle Rationalität des
ökonomischen Handels vorausgesetzt

viele verschiedene ökonomische Handlungsweisen,
d.h. keine universell gültige Theorien

ermöglicht interkulturelle Vergleiche

 

"Homo Ökonomikus"


Raymond W. Firth

Karl Polanyi

28. Was ist der Unterschied zwischen Gabe und Ware?

Gabe:
- Tausch zwischen zwei Personen mit persönlicher Beziehung, nach Bronislaw Malinowski hat Gabentausch gesellschaftskonstituierende und erhaltende Funktion
- neben wirtschaftlichen Gütern können auch immaterielle Güter ausgetauscht werden (Tänze etc.)
- zeitliche Erfüllung und Wert der Gegengabe obliegt dem Gabennehmer
- nach Marcel Mauss kennzeichnet den Gabentausch das System der totalen Leistungen, die Erwiderung ist obligatorisch, und findet zwischen Institutionen (z.B. "Stämmen")
und nicht nur zwischen Individuen statt

Ware:
- hat über den Gebrauchswert hinaus einen Tauschwert
- eine persönliche Beziehung ist keine Voraussetzung

29. Was ist Reziprozität und was ist Redistribution? Nenne jeweils ein Beispiel!
  • Reziprozität : Gegenseitigkeit im Tauschverhältnis. Bsp.: i.d.R. jeglicher Gabentausch, z.B. Geburtstagsgeschenke.

Ausbalanciert               

Generalisiert

Negativ                                

Zeitpunkt und Art
der Gegenleistung
stehen fest

Zeitpunkt und Art
der Gegenleistung
stehen nicht
explizit fest

Ein Tauschpartner
hat seine Pflichten
nicht erfüllt

 

Konfliktpotential vorhanden

Raub oder Diebstahl

Tab. nach Marshall Sahlins

  • Redistribution: Umverteilung. Ein Zentrum zieht Güter/Leistungen zusammen und verteilt sie dann wieder. Bsp.: Steuern.
30. Was kennzeichnet die sozial- und kulturanthropologische Herangehensweise an Wirtschaft?
  • Betrachtung von Wirtschaft in Bezug auf sozialen/kulturellen Hintergrund und ihre Wechselwirkungen
  • Betrachtung des gesamten wirtschaftl. Zyklus, d.h. nicht nur Produktion und Konsum, sondern auch Distribution, Zirkulation, Reproduktion.
31. Was ist Deszendenztheorie und was ist Allianztheorie?
  • Deszendenztheorie: Abstammung steht im Vordergrund, Strukturfunktionalismus (Radcliffe-Brown).
  • Allianztheorie: Heirat steht im Vordergrund; Frauentausch erklärt soziale Zusammenhalt; Strukturalismus (Lévi-Strauss).
32. Was hat Heirat mit Gabentausch zu tun?
  • Heirat stellt für Lévi-Strauss einen Fall von Gabentausch dar: Frauennehmer, Frauengeber => Frauentausch
33. Was ist der Unterschied zwischen matri-/patrilinear und matri-/patrilokal?

-linear: bezieht sich auf Abstammung/Deszendenz.

-lokal: bezieht sich auf den Ort der (postmaritalen) Residenz.

34. Welche Formen von Elternschaft können unterschieden werden? Erkläre dies anhand eines ethnographischen Fallbeispiels!

biologische/soziale/legale Elternschaft.

Fallbsp.: Pflegschaft in Osttimor (Text Bovensiepen)

35. Was ist der Unterschied zwischen „sex“ und „gender“? Erkläre die Unterscheidung anhand eines ethnographischen Fallbeispiels!

sex= "biologisches" Geschlecht  

gender= Geschlechtsidentität

Fallbsp.: kawe-kawe (Indonesien) => männliches sex, weibliches gender zugeschrieben

36. Welche Meinung in Bezug auf sex und gender vertreten essentialistische FeministInnen,welche KonstruktivistInnen?

EssentialistInnen: gender wird biologisch determiniert, Frauen haben universelle gemeinsame Merkmale.

KonstruktivistInnen: "Gender" (evtl. auch "sex") ist sozial konstruiert.

37. Was ist Androzentrismus?

Bezeichnet im Wesentlichen die Fokussierung auf männliche Denk- und Handelsweisen als gesellschaftliche Norm (weibliche dagegen als Abweichung von diesem universellen Standard).
Der Begriff wurde Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erwähnt von Perkins Gilman in "The Man Made World or Our Androcentric Culture" .
Damit sieht sich der Mann als das Universelle auf der Welt, als den Standard und alles was davon abweicht als das "Andere", als eine Abweichung. (Auch Frauen können diese Sichtweise verinnerlicht haben.)
Steht im Gegensatz zum Gynozentrismus.

38. Welche Kritik wurde von Women of Color an der frühen feministischen Anthropologie geäußert? Nenne eine Vertreterin!
  • universalistischer Anspruch der "westlichen" Feministinnen
  • stattdessen: Intersektionalität (neben gender auch race und class)
  • Vertreterin: Mohanty
39. Was ist eine segmentäre Gesellschaft?
  • Gesellschaft ohne zentrale Machtinstanz => Akephalität ("Kopf"-losigkeit).
  • verwandschaftliche Organisation steht im Vordergrund.
40. Wodurch unterscheidet sich die Manchester School vom Struktufunktionalismus?
  • Strukturfunktionalismus: Betonung des Gleichgewichts, Konflikte sind Störfall.
  • Manchester School: Konflikte als Normalfall, Fokus auf Konflikte, Wandel in Urbanisierungsprozessen.
41. Welcher ist Barths Ansatz zu Ethnizität und welche ist die gegenwärtige Position zu diesem Begriff (Bsp. Jenkins)?
  • Barth: handlungs- und akteurszentrierter Ansatz, Fokus auf Interaktionen => ethnische Identitäten entstehen in der Interaktion mit anderen "Ethnien", sind situativ. Elemente, nach denen differenziert werden, werden von den Akteuren bestimmt.
  • Jenkins: Ethnizität hängt von Selbst-/Fremdzuschreibungen ab, Kultur ist das zentrale Element => nicht jede Abgrenzung ist "ethnisch".
42. Was sind für die Medientethnologie „Medien“?
  • alles, was kodierte Botschaften vermittelt, kann ein Medium sein (Bsp.: Foto, Film, Gestik, Straßenkreuzung, Knotenschüre, etc., etc., etc.)
43. Was ist Video Indígena?
  • umstrittener Begriff: Darstellung indigener Realität aus emischer Perspektive?
  • politische Bewegung zur Bekämpfung von stereotypen Bildern über "Indigene"
  • Einfluss von Medien auf (Selbst)Verständnis/Identität
  • "indigenisierte" Filmszene
44. Wodurch grenzt sich Ortiz' Konzept der Transkulturation vom Begriff „Akkulturation“ ab?
  • statt "Akkulturation" => Fokus auf Dekulturation und Neokulturation, beim Kulturkontakt entsteht was Neues: Transkulturation
  • Akkulturation impliziert Assimilation der "schwächeren" Kultur, Transkulturation betont Wechselwirkung.
45. Was ist für Welsch „Transkulturalität“?
  • Hybridcharakter von Kulturen, Kulturen sind vernetzt.
  • Kritik an "kugelförmigen" Kulturbegriffen (z.B. "Multikulturalität", "Interkulturalität"): statisch und homogenisierend.
  • (kein Bezug zu Ortiz)
  • fortwährender Prozess.
46. Nenne zwei Autoren, die sich mit transatlantischen Verbindungen beschäftigt haben und ihre theoretischen Ansätze.
  • Ortiz: Trankulturation
  • Herskovits (US-Amerik. Kulturrelativist): "Africanisms", survivals/retentions => Akkulturation
  • Mintz & Price: Kreolisierungsthese
  • Paul Gilroy: Black Atlantic
  • J. Lorand Matory: Afro-Atlantic Live Dialogue
47. Welche Debatten und Kritiken führten zur Krise der Ethnologie bzw. zur Krise der Repräsentation in der Ethnologie?
  • (Veröffentlichung der Tagebücher von Malinowski)
  • Postkoloniale Theorie
  • Feministische Anthropologie
  • "Writing Culture"
48. Welche ist die Haupttaussage der Autoren des Bandes „Writing Culture“?
  • Ethnographien sind literarische Erzeugnisse: Abhängig von der Perspektive (Positionalität aber noch nicht vertieft), subjektiv, verwenden rhetorische Mittel (z.B. raum-zeitliches Othering), Diskurse, etc.
  • diese Eigenschaften von Ethnographien wurden vorher nicht reflektiert => es müssen neue Formen der ethnographischen Repräsentation geschaffen werden (polyphone/dialogische Ethnographien etc.).
49. Was ist Positionalität?
  • Bei der Feldforschung: Reflexion über die eigene (Forscher-)Position in lokale Zusammenhänge (wer bin ich da?)
  • Ansatz wurde durch die Writing Culture Debatte angestoßen
50. Warum kritisiert Abu-Lughod den Kulturbegriff?

Der Kulturbegriff als Analysekategorie schafft Differenzen / Abgrenzungen. Mit ihm werden Menschen, die einer "Kultur" zugehörig scheinen homogenisiert und generalisiert, die historische Entwicklung wird nicht betrachtet und er impliziert Kohärenz. Aufgrund dessen ist es ein Begrifft, welcher Machtverhältnisse ausdrückt, hierarchisiert und Ungleichheiten rechtfertigt.

51. Wogegen richten sich Konzepte wie „multiple“ oder „alternative Modernen“?
  • Grundannahme einer universellen Modernisierung nach dem Vorbild der "westlichen"/"säkularisierten" Moderne.
52. Was meint Appadurai mit „-scapes“?
  • (imaginierte) "Landschaften", die durch globale kulturelle Flüsse geformt werden.
  • 5: ethno-, techno-, finance-, media-, ideo-
53. Was kennzeichnet den transnationalen Ansatz?
  • Abwendung vom nationalen, territorial gebundenen Kulturkonzept (hin zum transnationalen)
  • Distanz zum einseitigen push-pull-Ansatz
  • hin zu einem Kulturbegriff, der auf das Individuum fokussiert ist (individuelle Erfahrungen und Biografien)
  • Kultur als „social relations, social structure, and transgenerational transmitted patterns of action, belief, and language“
  • No labels

3 Comments

  1. Hallo Ricardo, frohes Neues! Ich gucke zwar erst spät und wollte nun ein paar Fragen beantworten und hab nun auch endlich die Fragen hier gefunden. Sollen wir die jetzt hier beantworten oder wie hast du dir das gedacht! Vielleicht stell ich mich ja auch einfach zu doof an. Liebe Grüße, Tamara

    1. Hallo Tamara, dir auch ein frohes Neues! Meine Idee war, dass jede/r die Antworten direkt auf die Seite schreibt, mit Click auf den Reiter "Bearbeiten" kann sie ediert werden! Liebe Grüße, Ricardo

  2. Anonymous

    Gute Initiative! Manches ist etwas verkürzt, aber nichts fehlerhaft dargestellt. Beherrscht man dies, kann man nicht durchfallen.

    Unterscheidungen wie synchron/diachron (dazu kommt noch interaktiv etc.) in Einteilung d. Theorien stammt übrigens von Alan Barnard, History & Theory in Anthropology 2000 :8ff.

    TG