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  • Sprache und Denken
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"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt." Mit diesem Satz weist Wittgenstein auf den engen Zusammenhang von Sprache und der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit hin. Die verschiedenen Sprachen unterscheiden sich eben nicht nur in ihrem Vokabular und ihrer Grammatik, sondern drücken darüber hinaus komplexe Gedankenkonstrukte aus, mit denen ein kulturspezifisches Modell der Welt erstellt wird. In dieser Eigenschaft bildet Sprache die Voraussetzung für das Erkennen, indem sie die Begriffe bildet, mit deren Hilfe Klassifikation überhaupt ermöglicht wird. Die Begriffe, die allgemein für etwas in dieser Welt verwendet werden sind allesamt arbiträr: die Natur des Bezeichneten ist dem Bezeichnenden nicht inhärent, obwohl wir ihren Bezug zueinander als natürlich wahrnehmen. Diese Bausteine der Sprache bilden allesamt Metaphern, welche eine Möglichkeit des Zugangs zu Denkkategorien sind, da sie diese ihrerseits selbst erschaffen. Wie das Denken ist auch die Sprache nicht richtig oder falsch, ihre spezifische Logik offenbart sich lediglich innerhalb des Systems.

Wenn man begrifflich oder transzendental radikaler argumentiert, könnte man jedoch sagen, daß schon die Idee einer Erfahrung, die ohne jede Formulierung auskommt, unmöglich ist. Dazu fallen die bekannten Argumente von Hegel (z.B. in der Phänomenologie des Geistes, Kapitel I) oder von Wittgenstein (z.B. in den Philosophischen Untersuchungen, 1 §261) ein. Eine Erfahrung kann überhaupt keinen Inhalt haben, wenn man nicht irgend etwas über sie sagen kann. [1]

[1] Taylor, Charles 2001: Die Formen des Religiösen in der Gegenwart. Suhrkamp, Frankfurt a.M. S. 29f.

siehe zu diesem Thema auch: Sapir-Whorf-Hypothese

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