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  • Pathologie der Gesellschaft
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In seiner Pathologie der Gesellschaft stellt Durkheim drei typische Kennzeichen beziehungsweise Ursachen für das Entgleisen sozialer Solidarität auf:

Anomie

Neue Wege, Formen, Institutionen und Funktionen sind im Sozialen entstanden, ohne dass sich Regeln der Kooperation und soziale Bindungen entwickeln konnten, die ihnen entsprechen. Das heißt Anomie ist zum Beispiel differenzierte Arbeitsteilung mit Regeln und Interaktionsformen und einem moralischen Bewusstsein, die dahinter zurückbleiben. Die Menschen müssen sich hier mit Dingen auseinandersetzen, deren Umgang sie nicht gewöhnt sind, beispielsweise mit importierten Regeln, Werten oder Institutionen, die sie nicht selbst herausgebildet haben; so ein demokratisches System oder eine kapitalistische Wirtschaft, die von außen auf eine tribale Gesellschaft gestülpt wird. Dies kann in Korruption münden, denn die logische Konsequenz lautet ja: man kann sich alles kaufen, so auch sein Recht.

Erzwungene Arbeitsteilung

ist das Spiegelbild der Anomie. Strukturreste einer nun als unrecht empfundenen vormaligen sozialen Ordnung, werden gewaltsam aufrechterhalten und stehen einem herausgebildeten moralischen Bewusstsein bezüglich der angemessenen sozialen Regeln, Interaktions- und Solidaritätsformen gegenüber. Der Zwang setzt nach Durkheim ein, wenn die Sache keine Basis mehr in den Wertevorstellungen und Sitten der Leute hat und nur mit Gewalt aufrechterhalten werden kann. Dies bezieht sich auf Differenzierung von Gruppierungen: Klassen, Kasten, Gender und „Rasse-“Konzepten.

Innerorganisatorischer Organisationsmangel

bezieht sich auf den Innenraum von Institutionen und Organisationen. Er beschreibt fehlerhafte Arbeitsteilung, Reibungsverluste, Koordinationskonflikte und vieles mehr. Hier treffen fehlerhafte Administration und idealistische Strukturen aufeinander, sodass beispielsweise Menschen mit individuellen Interessen einen öffentlichen Posten besetzen.

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