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Im Mittelpunkt der französischen Durkheimschule stehen Dichotomien des Denkens, sogenannte binäre Oppositionen, und die Beziehung von Individuum und Gesellschaft, wobei das Individuum den Normen und der Moral, den kollektiven Repräsentationen, also den Kräften der Gesellschaft untergeordnet ist. Statt Kultur benutzen die französischen Soziologen den Begriff der Gesellschaft, wobei sich die einzelnen Teile der Struktur aufeinander beziehen, sich beeinflussen und ein Ganzes bilden. Dieser Ansatz wird im französischen Strukturalismus erweitert.

Soziale Tatsachen

Émile Durkheim

Wichtigster Vertreter und Namensgeber der ethnosoziologischen französischen Schule ist Durkheim, Émile (1858-1917). Bekannt ist Durkheim für das Konzept der Soziologischen Tatbestände, also „besonderen Arten des Handelns, Denkens und Fühlens, die außerhalb der Einzelnen stehen und mit zwingender Gewalt ausgestattet sind, kraft deren sie sich ihnen aufdrängen.“ [1] Sie werden automatisch durch das soziale Zusammenleben und die Interaktion von Menschen geschaffen und üben einen gewissen moralischen Druck auf die Menschen aus, dem diese sich nicht entziehen können.

[1] Durkheim, Émile 1995/1895: Die Regeln der soziologischen Methode. Suhrkamp, Frankfurt a.M. S. 107

Marcel Mauss

Erweitert wurde Durkheims Konzept von dessen Schüler und Neffen Mauss, Marcel zur Totalen sozialen Tatsache, deren Besonderheit darin liegt, dass sie sämtliche Aspekte des gesellschaftlichen Lebens vereint - wirtschaftliche, politische, juristische, religiöse und mythologische [2]. Diese verflechten Individuen mit Gruppen und Institutionen und halten die Gesellschaft in ihrer Totalität in Gang. In seinem Werk "Die Gabe" (1925) deckte er die Existenz sozialer Gepflogenheiten auf, die zu erkennen man nicht auf Anhieb imstande sei. In dem Gabentausch verbinden sich die empirisch festzustellenden individuellen Handlungen mit den grundlegenden sozialen Verpflichtungen der Einladung, der Gabe und der Erwiderung. Diese Reziprozität vernetze die Handelnden und verbinde Moral und Ökonomie, - der Produktion liegen Gaben zugrunde, wobei die Wirtschaft den Gabentausch erst ermöglicht. Das System der verpflichteten Gabe sei in vielen Gesellschaften zentral und bilde das soziale Bindemittel und Fundament der Gesellschaft. Sie führe zu einer moralischen Transaktion zwischen sozialen Gruppen, die sich in Tänzen, Verträgen, Ehen und vielem mehr äußert. Die Gabe ist nicht nur ökonomisch motiviert, sondern wird als Träger einer Kraft des Gebenden verstanden, was eine symbolische Beziehung zwischen Gebern und Nehmern konstituiert.

[2] vgl. hierzu: Mauss, Marcel 1990/1968: Die Gabe. Form und Funktion Austauschs archaischen Gesellschaften. Suhrkamp, Frankfurt a.M. S. 18

Weitere Konzepte der Durkheimschule

Mechanische und organische Solidarität

Durkheim ging von zwei möglichen Typen von Gesellschaft aus: die mechanische Solidarität ist charakterisiert durch eine wenig ausgeprägte Arbeitsteilung, weitgehend homogene soziale und kulturelle Verhältnisse, einen starken Zusammenhalt der Gruppe und ein so genanntes Kollektivbewusstsein, dem jedes einzelne Individuum unterliegt. Die organische Solidarität wiederum ist Ergebnis gesellschaftlicher Differenzierung. Es gibt eine starke Arbeitsteilung, die Gesellschaft ist durch Heterogenität gekennzeichnet. Frobenius' Vorstellung von Kultur als ein großes Ganzes wird aufgegriffen: die Individuen sind wie die Organe eines Körpers aufeinander angewiesen. (siehe hierzu auch: Arbeitsteilung)

Binäre Oppositionen

Durkheims Ansicht nach verfügen alle Gesellschaften über ein duales Ordnungsschema, nach dem die Dinge entweder dem sakralen (religiösen) oder dem profanen (weltlichen) Bereich zugeordnet werden. Sein Schüler Robert Hertz erweiterte den Dualitätsansatz über dieses eine Ordnungsschema hinaus. Seiner Meinung nach liegt dem Denken eine so genannte Links-Rechts-Dichotomie zugrunde, wobei rechts mit positiv und links mit negative konnotiert ist. Das Konzept der binären Oppositionen wird am stärksten von Lévi-Strauss und dem Strukturalismus aufgegriffen.

Rites de passage

(siehe Arnold van Gennep)

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