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  • Wahrnehmung und Urteil schließen einander aus
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Mit diesem Aphorismus werden fundamentale Prinzipien der wissenschaftlichen Betätigung im allgemeinen und der Feldforschung im besonderen pointiert zum Ausdruck gebracht: um wahrnehmen zu können, muss man sich von den eigenkulturellen Wertkategorien lösen. Moral ist kulturspezifisch und so bedeuten Recht und Unrecht an unterschiedlichen Orten auch unterschiedliches. Wie soll man beispielsweise die Bedeutung von Heiratsallianzen, also Präskriptionsheirat, verstehen, wenn man sie als Zwangsheirat verurteilt?

"Menschen der Überzeugung kommen für alles Grundsätzliche von Wert und Unwert gar nicht in Betracht. Überzeugungen sind Gefängnisse. [...] Die Freiheit von jeder Art Überzeugungen gehört zur Stärke, das Frei-Blicken-können." [1]

Methodologisch kann dieser Gedanke aber allein als Ideal gelten, ist es für den Forscher doch nie vollends möglich, Vorurteile und eigene Wertkategorien komplett auszublenden.

[1] Nietzsche, Friedrich (1986 [1888]): Der Antichrist. Versuch einer Kritik des Christentums. Insel, Frankfurt a. M. S. 120

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