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Kollektivbewusstsein

 

Der Begriff des Kollektivbewusstseins entstammt der französischen Durkheim-Schule und ist dem Strukturalismus zuzuordnen. Es beschreibt eine besondere Form der moralischen Einheit. In seinem Werk „Über soziale Arbeitsteilung, Studie über die Organisation höherer Gesellschaften“ bringt Émile Durkheim die These an, dass die Spezialisierung der Arbeit ein Kollektivgut ist. Er arbeite mit dem zentralen Begriff des kollektiven Bewusstseins, das er als geistige Einheit einer Gesellschaft oder einer Gruppierung ansieht und dessen Ausdruck sich in gemeinsamen Mitteln wie Sprache, Schrift, Moral, Recht, Brauch, Gewohnheit, Wissen, Gewissen u.a. finde.

Das kollektive Bewusstsein ist demnach die „Gesamtheit der Anschauungen und Gefühle, die der Durchschnitt der Mitglieder derselben Gesellschaft hegt.“ (É. Durkheim)1

Es entsteht durch das Aufeinandertreffen individueller Bewusstseinsinhalte im alltäglichen Leben innerhalb der Gesellschaft unter Bezugnahme gesellschaftlicher Bedingungen (Normen, Rechte) und äußert sich in kollektiven Handlungen und Reaktionsweisen. Es entsteht und besteht also durch die Wechselwirkung bereits vorhandener, historisch überlieferter und gesellschaftlich manifestierter, in den Individuen verankerter, Vorstellungen, Werte und Wissensgrundlagen, die kollektiv anerkannt und eingehalten werden. Gemeinschaftliches Handeln entsteht. Abweichungen werden gegebenenfalls sanktioniert>> Strafe.

Das kollektive Bewusstsein bildet die Grundlage für diverse Gesellschaftsformen und wird als immun gegen historische Ereignisse und soziale Umbrüche angesehen.

Das „Subjekt“ der „Gruppenangelegenheiten“ (A.Vierkandt) ist nicht das „Ich“, sondern das „Wir“. Das Kollektivbewusstsein, als Sitz des kollektiven Willens, ist die Instanz, die das Handeln der Gesamtheit bestimmt. Vordergründig ist also der holistische Charakter dieses Begriffes - individuelle Beziehungen existieren, haben eine Wirkung, sind jedoch zweitrangig oder untergeordnet im Vergleich zu gesamtgesellschaftlichen Handlungs- und Denkweisen.

Beispiel: Nachbarschaftliche oder christlich traditionelle Verhaltensweisen: Sonntags wird draußen keine Wäsche aufgehängt oder an Feiertagen wird keine Wäsche gewaschen, etc.

Synonyme: „Volksseele“, „Kollektivseele“, „kollektive Mentalität“ oder „Gruppenseele“.

Kritisiert wurde in der Forschungsdebatte vor allem die Mehrdeutigkeit des Begriffes. Paul Bohannan differenzierte beispielsweise den Bedeutungsgehalt in Hinsicht von normativen, subjektiven und objektiven (kulturthematischen) Blickwinkeln, die am Ende jedoch wieder zusammengefasst als eine Einheit betrachtet werden müssen.2

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Überbetonung des Sozialen.

 

 

Quellen:

Émile Durkheim: Über soziale Arbeitsteilung, Studie über die Organisation höherer Gesellschaften, Frankfurt am

Main, 1992.

Hans Fischer (Hg.): Ethnologie Einführung und Überblick,Berlin, 1992.

Simon Meier: Der Funktionalismus in der Ethnologie und seine Weiterentwicklungen, Norderstedt, 2006.

http://www.wirtschaftslexikon.co/d/kollektivbewusstsein/kollektivbewusstsein.htm, Zugriff: 09.08.2013, 21:38.

http://www.gotteswahn.info/Stichworte/kollektiv.htm, Zugriff: 09.08.2013, 20:21

 

1Vgl. http://www.wirtschaftslexikon.co/d/kollektivbewusstsein/kollektivbewusstsein.htm.

2Vgl. Émile Durkheim: Über soziale Arbeitsteilung, Studie über die Organisation höherer Gesellschaften, Frankfurt am Main, 1992, S.24.

 

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