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Etymologie: Das Wort Symbol leitet sich von dem griechischen Wort „Symbolon“ ab, welches wörtlich mit „das Zusammengeworfene“ übersetzt werden kann. Frei übersetzt bedeutet es soviel wie  „Sinnbild“ oder „Erkennungszeichen“.

Ein Symbol kann in den meisten Fällen nicht sofort als ein solches bestimmt werden, denn was genau ein Symbol ist und was es darstellt, ist in hohem Maße komplex und auch widersprüchlich. Es steht damit im Gegensatz zum Zeichen, denn ein Zeichen steht in direktem Bezug zu den Dingen, die es ankündigt (zum Beispiel Verkehrszeichen). Hinter einem Symbol dagegen verbergen sich meist Konzepte, die nicht bewusst sind und deswegen oft keine expliziten Definitionen zulassen.

Grundlagen ethnologischer Symboltheorie (nach J. Berrenberg):

  • In allen Gesellschaften wird symbolisch gedacht
  • Alle sozialen Phänomene & Handlungen haben eine symbolische Dimension
  • Der jeweilige Kontext bestimmt die Bedeutung eines Symbols. Die Phänomene müssen unter ihren eigenen Bedingungen begriffen werden, um den sozialen Sinn dahinter erfassbar zu machen

Symbole sind öffentlich und sie durchdringen jeden Alltag. Schon Emile Durkheim machte deutlich, dass die Art und Weise wie wir Menschen die uns umgebene Wirklichkeit wahrnehmen, ordnen und beurteilen, kein individuelles Phänomen ist. Vielmehr ist diese Wirklichkeit, jenes Gewebe von miteinander verknüpften und sich gegenseitig beeinflussenden Bedeutungen von sozialer Natur und Symbole haben in den unterschiedlichen Lebenswelten bestimmte Bedeutungen, die von den Menschen gleich interpretiert werden (wobei individuelle Unterschiede natürlich nicht ausgeklammert werden dürfen).

Victor Turner

Der Ethnologe Victor Turner (1920-1983) gilt als einer der Hauptvertreter der Symbolischen Anthropologie und befasste sich hauptsächlich mit Spannungs- und Veränderungsprozessen, die er als Teil globaler Zusammenhänge zu analysieren versuchte. Vor allem in Zeiten der Veränderung und der Unsicherheit stellten Symbole und Rituale laut Turner eine wichtigste Orientierungshilfe dar, sie seien zentral für soziale Prozesse aller Art und durch die Assoziationen, die sie im Menschen hervorrufen, zeigten sie ihre evokative Kraft. Als Träger von Informationen seien Symbole die kleinste rituelle Einheit. In seiner umfangreichen Symbolanalyse nahm Turner folgende Unterscheidung vor: (1) Dominante Symbole seien weitgehend autonom und in ihren Bedeutungen beständig. Sie können verschiedene Dinge und Handlungen bezeichnen, seien verdichtet, multivokal und polysem. (2) Instrumentelle Symbole sind Symbole, deren Sinn sich nur im Kontext und im Verhältnis zu anderen Symbolen erschließt. Mit ihrer Hilfe sollen bei Ritualen spezifische Ziele erreicht werden.

Symbole verfügen nach Turner über drei Bedeutungsebenen:

  • Exegetische Bedeutung: Auslegung der Bedeutung des Symbols durch Informanten selbst
  • Operationale Bedeutung: Auslegung der Bedeutung des Symbols, die sich durch die kontextuelle Beobachtung der Verwendung des Symbols (durch den Ethnographen) erschließt
  • Positionale Bedeutung: Auslegung der Bedeutung des Symbols, die sich durch dessen Verhältnis zu anderen Symbolen des gesamten rituellen Systems ergibt

Strukturalismus

Im Strukturalismus wird die Bedeutung von einzelnen Elementen erst durch ihre Verknüpfung zu anderen deutlich. Symbole als Einzelelemente beispielsweise werden hier nie isoliert verstanden, was zählt, ist ihre Position in der Gesamtordnung. Unsere Wirklichkeit besteht aus unterschiedlichen Interpretationssystemen, Dinge verfügen in jedem dieser Systeme über einen anderen Symbolgehalt und indem sie sich zwischen ihnen bewegen, wirken sie auf den dortigen Kontext und verändern die jeweilig spezifische Interpretation der Wirklichkeit.

Möchten wir diese Ströme analysieren, so müssen wir die Interpretationsgepflogenheiten dieser Systeme kennen.

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