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  • Polanyi, Karl
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Karl Polanyi (1886-1964) war Wirtschaftshistoriker und arbeitete im Schnittpunkt der Geschichtswissenschaften, der Volkswirtschaft und Sozialanthropologie. Er dekonstruierte die Universalität der westlichen Marktwirtschaft.

Laut Polanyi existiert Ökonomie nie unabhängig von anderen Institutionen, sondern ist in das Soziale eingebettet. Religion könne ebenso wichtig für die Sozialstruktur und die Funktion der Ökonomie sein, wie die Verfügbarkeit von Werkzeug. Polanyi stützte sich auf den Strukturfunktionalismus und in der Tat zeigt seine Definition des Ökonomischen Parallelen zu Marcel Mauss‘ Konzept der totalen sozialen Tatsache.

Zentral ist seine Erkenntnis, dass sich wirtschaftliche Institutionen nur im Kontext verstehen lassen und dass sich die Organisation der Wirtschaft analytisch mit der Struktur der Gesellschaft verknüpft und sie reflektiert. Somit lässt das eine Schlüsse auf das andere zu. Er vertrat eine relativistische Sicht von Wirtschaft und erkannte die Unterordnung der wirtschaftlichen Organisation unter gesellschaftliche Ziele und Werte in vielen Gesellschaften und Formen des Wirtschaftens.

Vier allgemeine Funktionsprinzipien verschiedener Ökonomien:
(1) Reziprozität:

beschreibt die Bewegungen zwischen zwei beweglichen und symmetrischen Punkten (Tausch, Gabe). Sie ist das vorherrschende Prinzip in einer Gesellschaft mit hauptsächlich symmetrisch organisierten sozialen Beziehungen (auf Verwandtschaft basierende segmentäre Gesellschaften).

(2) Redistribution:

meint die Aneignung von Gütern durch ein Zentrum und die von dort vorgenommene Wiederverteilung. Sie beschreibt also eine asymmetrische Transaktion und ist das vorherrschende Prinzip in einer Gesellschaft mit inegalitären Strukturen. Diese beiden Prinzipien veranschaulichen Polanyis Grundgedanken, die Wirtschaft stehe analog zur sozialen Struktur und zum Politischen und die wirtschaftlichen Institutionen seien nur im gesellschaftlichen Kontext zu verstehen. Gesellschaft und Wirtschaft reflektieren einander und geben Indizien auf das jeweils andere.

(3) Austausch

meint den Austausch von entpersonalisierten Dingen auf einem anonymisierten Markt. Die Dinge sind insofern entpersonalisiert, als dass sie im Gegensatz zum Ding als Gabe keine Verbindung zwischen Geber und Nehmer herstellen. Man unterscheidet zwischen Prestigegütern und Gebrauchsgütern, diese zwei Typen werden nicht gegeneinander getauscht.

(4) Haushaltung

meint die Binnenwirtschaft engerer sozialer Gruppierungen.

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