Leitfragen im Projekt und Beantwortung der Fragen vor dem fachhistorischen Hintergrund

 | Wie haben die Nationalsozialist*innen den Olympiapark genutzt, um ein ideologisches Bild von Sport und Körpern zu propagieren und welche Mechanismen dessen sind auf dem Gelände heute noch erkennbar? 

→ Die politische Inszenierung von Körper, Sport und der olympischen Idee durch den Nationalsozialismus - also die Frage nach Bedeutung(en) von Symbolik, Raumwirkung, Körpererfahrung, Funktionalisierung, Politisierung und Deutungsmacht 


  • Das Körperbild der nationalsozialistischen Ideologie war geprägt durch konstruierte Kontinuitäten zwischen der Antike und Deutschland → bis heute im Olympiapark erkennbar an Architektur, Landschaftsgestaltung und Kunst
  • Der Olympiapark wurde für Macht-Darstellungen, Darstellung einer nationalen Identität und Inszenierung genutzt → durch prunkvolle Gebäude, Sichtachsen und Verbindungen zu den verschiedenen Türmen, die nach germanischen Völkern benannt werden 
  • Körperbilder im Nationalsozialismus orientieren sich stark an Idealen aus der Antike (griechischer Körper, arisches Gesicht), Geschlechterpolarität, zwei Pole, die voneinander abhängig sind und einander auch brauchen
  • Mann verkörpert Kraft, Tat und Kampfbereitschaft (Kultur), Frau steht für Natur (Erhaltung des Volkskörpers) → an den Skulpturen/Kunst im Park sichtbar
  • Für die in der NS-Ideologie angestrebte Wehrhaftigkeit der Nation und Gesundheit (Stichwort Rassenhygiene) war Sport ein wichtiges Element. Innerhalb der Gesellschaft sollten Klassen- und Konfessionsschranken überwunden werden → großes Ziel: gesunde Körper für eine Einheit der Nation und “rassisch reine” Volksgemeinschaft → Wurde auch durch die Exklusion von Menschen, die ideologisch als "nicht-deutsch" markiert wurden, erreicht. 
  • Nutzung des Olympiaparks: Massenbegeisterung (100.000 Menschen) passten in den Park, Olympiapark als Zentrum für Sport und Massenpropaganda
  • Verknüpfung von schon existierenden Helden- und Nationalmythos von Langemarck an der Sportstätte sowie militärische Ausbildungsstätten → weitere Verbindung zu Sport und Krieg
  • Mechanismen heute noch in dem Park: Maifeld, Langenmarckhalle, Gebäude, Jahnplatz  (eigentlich alles)

| Unterfragen: 

Welche Spuren von NS-Ideologie sind im Olympiapark noch heute sichtbar und welchen Einfluss hatten und haben nationalsozialistische Politik und Propaganda bis heute auf das Gelände und den Sport?

  • das Gelände sieht noch immer so aus → vermutlich unterbewusste Beeinflussung von jungen Sporttreibenden heute 
  • Sportschule gegründet von Carl Diehm in Köln (Einfluss der NS- Ideologie auf den Sport bis heute)

Was macht den Olympiapark aus? Warum ist das mehr als eine Sportstätte?

  • Geschichte des Parks, sichtbare Spuren

Welche Funktion(en) erfüllte Sport im Kontext der Olympischen Spiele 1936 für das nationalsozialistische Regime und wie werden diese im Olympiapark heute verhandelt?

    • Propagieren von idealisierten Körperbildern, Inszenierung dem Ausland gegenüber

Welche Funktion hatten die Olympischen Spiele 1936? 

  • Macht-Darstellung der Nazis, Inszenierung, Auslandspropaganda, Massenbegeisterung für Ideologie, "Sportwashing"

Wenn die Olympischen Spiele 2036 nach Berlin zurückkehren (trotz vieler Widerstände), welche Werte sollten sie dann demonstrieren?

    • bitte nein!!!!
    • aber wenn dann halt Antifaschismus

Wenn die Geschichte des Olympiastadions und des Nationalsozialismus der Öffentlichkeit erzählt wird, was sollte dabei vermittelt werden und was nicht?

Was ist in den Ort eingeschrieben? Welche Wirkung hat diese spezifische Organisation von Raum? Welche Symboliken wurden und werden verwendet? In welchem Verhältnis stehen heutige Nutzung und (Entstehungs-)Geschichte?

    • klein fühlen durch imposante Gebäude
    • Gelände als Ort, an dem Körper gestärkt, trainiert werden werden. Die Skulpturen prägen ein Körperideal bis heute.

Kann der Olympiapark in seiner Nachnutzung losgelöst von den ursprünglich intendierten Wirkungsmechanismen existieren, insb. wenn sich die räumlichen und gestalterischen Gegebenheiten so wenig geändert haben?

    • sollte auch nicht losgelöst betrachtet werden
    • Umbenennung von Dingen, Gedenksteine anbringen, Skulpturen niederreißen oder als Kunstfläche neu gestalten um vorhandenes Bild aufzubrechen


Rechercheergebnisse zu möglichen Stationen

| Station Eingang:

Die ersten bekannten olympischen Spiele wurden 776 v. Chr. in Griechenland abgehalten. Es handelte sich um einen religiösen Sportwettbewerb, der zu Ehren von Zeus abgehalten wurde. die sich ständig bekriegenden griechischen Staaten schafften es, einen teilweisen Waffenstillstand auszurufen, um die Spiele abhalten zu können. Die Kriege wurden zwar nie abgebrochen, aber die Reisenden zu den Spielen und die Athleten selbst standen unter dem Schutz von Zeus und waren daher von allen laufenden Konflikten entfernt. Die Spiele bestanden zunächst nur aus einem Fußlauf, der "Stadion" genannt wurde und sich auf die griechische Messung "Stadia" (etwa 185 Meter) bezog. Dies ist auch der Wurzelbegriff für das englische Wort " stadium". Später wurden die Spiele auf mehrere verschiedene Laufdistanzen sowie einen Pentathlon - bestehend aus Speer- und Diskuswurf, Weitsprung, Ringkampf und Laufen - ausgeweitet. Schließlich wurden die Spiele vom christlichen Kaiser Theodosius I. verboten. 

In Europa gab es zwar im Laufe der Jahre verschiedene lokale Sportveranstaltungen, die von den Olympischen Spielen inspiriert waren, aber erst in den 1890er Jahren wurden sie erfolgreich wiederbelebt. Im Zuge des wachsenden Interesses an den gesundheitlichen Vorteilen des Sports gründete der französische Adelige Baron Pierre de Coubertin 1894 das Internationale Olympische Komitee.

((Courbetin wurde durch die Niederlage seines Landes im Deutsch-Französischen Krieg gedemütigt und wollte eine Fitnessbewegung fördern, um sein Land teilweise auf den Krieg vorzubereiten. 1914 behauptete Courbetin jedoch, die Motivation für Spiele sei wie folgt:

1 als Grundstein für Gesundheit und kulturellen Fortschritt
2 für Bildung und Charakterentwicklung
3 für Völkerverständigung und Frieden
4 für Chancengleichheit
5 für fairen und gleichberechtigten Wettbewerb
6 für kulturellen Ausdruck
7 für Schönheit und Exzellenz
8 für die Unabhängigkeit des Sports als Instrument sozialer Reformen und nicht als staatliche Gesetzgebung

de Courbetin stellte sich die Spiele als eine Gelegenheit für nicht professionelle Athleten vor, in einem Gentleman-Wettbewerb zusammenzukommen. Bei dem Wettbewerb ging es ebenso sehr um Ehre und guten Sportsgeist wie um körperliches Können. Das von de Courbetin geprägte Credo der Olympischen Spiele fasst diese Vision zusammen. “The important thing in life is not the triumph, but the struggle. The essential thing is not to have conquered, but to have fought well.” 

Trotz dieser idealen Vision sind die Spiele ein Produkt einer rassistischen, kolonialen und sexistischen Mentalität. de Coubertin selbst sah die Olympischen Spiele als eine Form des gutartigen Kolonialismus, ein zivilisatorisches Instrument zur Entwicklung von Nicht-Europäern. Obwohl Frauen und schwarze Athleten im Jahr 1900 zu den Wettkämpfen zugelassen wurden (Frauen nur in ausgewählten Disziplinen), standen die Spiele weiterhin unter Kritik. Seit den 1980er Jahren nahmen die Proteste zu, nicht nur wegen der finanziellen Kosten, die den Host-Stätten entstehen, sondern auch wegen der Verletzung von Menschenrechten, der Rechte der Athleten und der Umweltzerstörung. Die Gastgeberstädte führen oft drakonische Gesetze zur Bestrafung von Armut ein, um die Straßen von Obdachlosen und anderen Zeichen einer nicht perfekten Stadt zu säubern. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Spielen verstärken oft eine hegemoniale Sichtweise von Männlichkeit und Weiblichkeit.  

Trotz der unpolitischen Fassade, die Sport gerne präsentiert, waren die Olympischen Spiele schon immer politisch. In ihrer fast 125-jährigen Geschichte haben die Spiele immer das Image eines Katalysators für Frieden und globale Harmonie getragen, während sie gleichzeitig als Instrument zur Förderung eines ganz bestimmten Bildes von nationaler Identität und patriotischem Stolz genutzt wurden.

Der USOC-Präsident Avery Brundage, selbst offen antisemitisch, traf sich vor den Spielen 1936 mit Hitler, um zu besprechen, was mit schwarzen und jüdischen Sportlern geschehen sollte. Während es den Nazis gelang, deutsche jüdische Sportler vom Wettkampf abzuhalten, konnten sie farbige Sportler wie den Afroamerikaner Jesse Owens nicht vom Wettkampf abhalten. Um die Drohungen eines amerikanischen Boykotts der Spiele abzumildern (etwas, das sicherlich andere Länder wie Frankreich und England dazu inspirieren würde, diesem Beispiel zu folgen), schlug Brundage vor, dass die Nazis alle öffentlichen Anzeichen ihrer Bigotterie entfernen sollten, was zur vorübergehenden Entfernung von antijüdische Schilder und  rassistische Medieninhalte führte  und setze homosexuellenfeindliche Gesetze vorübergehend außer Kraft.

Dies ist ein hervorragendes Beispiel für das, was als „Sportwashing“ bezeichnet wird. Ähnlich wie beim Greenwashing von Corporations nutzen autoritäre Regierungen Sport, um die Öffentlichkeit von problematischen Themen abzulenken. Dies kann auch in demokratischen Ländern vorkommen, ist jedoch tendenziell eher nach innen gerichtet und differenzierter. Autoritäre Regierungen wie das NS-Regime sehen die Spiele als Chance, die traditionellen diplomatischen Kanäle zu umgehen und direkt zu den Menschen anderer Länder zu gehen. Mit dem Glamour des Sports und einigen guten PR-Strategien können sie einen Teil ihres angeschlagenen Rufs in den Augen der internationalen Öffentlichkeit vertuschen. 

Hitler war ursprünglich nicht besonders begeistert von den Spielen und dem internationalen Geist, den sie repräsentierten, war aber von ihrem PR-Potenzial überzeugt

Deutschland erhielt die Olympischen Spiele 1916, die aufgrund des Ersten Weltkriegs abgesagt wurden. Erst bei den Spielen 1928 in Amsterdam durften sie wieder an den Olympischen Spielen teilnehmen. 1931 wurden sie für die Spiele 1936 ausgewählt. Dies war als symbolisches Willkommen zurück in der internationalen Gemeinschaft gedacht.

Bereits 1932 gab es Bedenken darüber, was mit den Olympischen Spielen passieren würde, sollte Hitler an die Macht kommen. Als Hitler während seines Besuchs bei den Spielen 1932 gefragt wurde, versprach er, schwarzen und jüdischen Athleten die Teilnahme zu ermöglichen
Theodor Lewald, der die Spiele von 1916 unterstützte, traf sich vor den Spielen von 1936 mit Goebbels, um ihn vom Propagandapotenzial zu überzeugen
Weder Goebbels noch Hitler hatten ein großes persönliches Interesse am Sport, aber schon früh wurde ein Reichssportführer gewählt, teilweise inspiriert von der italienischen Form des Faschismus, wo Sport als Instrument zur Förderung einer kollektiven Ideologie der Selbstaufopferung angesehen wurde

Jesse Owens war das jüngste von sieben Kindern, geboren als Sohn eines Pächters und Enkel eines Sklaven in Oakville, Alabama. Im Rahmen der Great Migration zog er 1922 mit seiner Familie nach Ohio. Nachdem sein Vater endlich einen festen Arbeitsplatz in einer Fabrik gefunden hatte, besuchte Jesse Owens die Ohio State University, wo er dem Leichtathletik-Team beitrat. Am 25. Mai 1935 stellte er bei einem Wettkampf in Anne Arbor, Michigan, mehrere Weltrekorde auf. Owens war zunächst unsicher, ob er an den Olympischen Spielen 1936 teilnehmen sollte. Die NAACP unterstützte die Boykottbewegung, aber Owens trat schließlich der Olympiamannschaft bei, nachdem Avery Brundage die Bewegung als „unamerikanisch“ kritisiert hatte.

Owens gewann in Berlin vier Goldmedaillen im 100-Meter-Lauf, im Weitsprung, im 200-Meter-Sprint und in der 4 x 100-Meter-Sprintstaffel. Hitler weigerte sich, Owen die Hand zu schütteln und wollte nur die deutschen Athleten begrüßen. Aber der OIC-Präsident sagte ihm, er müsse entweder alle Athleten begrüßen oder gar nicht, also entfernte sich Hitler von der Medaillenzeremonie.

Die Spiele in Berlin waren die ersten Spiele, die im Radio übertragen wurden, wodurch sie ein weitaus größeres Publikum erreichten als alle Olympischen Spiele zuvor

carl diem 

olympische Dorf - alles für die o. spiele gebaut 

thema: warum sollte man solche Zeichen (hackenkreuz ) weg schaffen warum nicht- warum ist es wichtig solche Sachen nicht einfach ohne Kontext rum stehen zulassen 

Helen Jefferson Lenskyj. The Olympic Games : A Critical Approach. Emerald Publishing Limited; 2020. Accessed June 6, 2023. https://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=e000xww&AN=2317973&site=ehost-live

Young, D.C. (2004). The Origin and Authenticity of the Modern Olympic Game. In A Brief History of the Olympic Games, D.C. Young (Ed.). https://doi.org/10.1002/9780470774823.ch13

Gerald P. Schaus, Stephen R. Wenn. Onward to the Olympics : Historical Perspectives on the Olympic Games. Wilfrid Laurier University Press; 2007. Accessed June 6, 2023. https://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=e000xww&AN=181736&site=ehost-live


| Gedicht in der Turnhalle des Olympiaparks Berlin: 

Station zum Sgraffito in der großen Turnhalle im Olympiapark – Survival of the Fittest?

Betritt man die große Turnhalle des Olympiaparks, so sind die eingeritzten Wandsgraffitos sehr schnell sichtbar. Abgebildet sind Männer, die Leibesübungen wie Bogenschießen ausführen und dabei nackt sind. Die Körperbilder erinnern stark an Skulpturen oder Malereien aus der Antike, die Männer haben alle einen trainierten Körper und die Genitalien sind klar sichtbar. Die Abgebildeten haben allesamt ein “nordisches” Aussehen. Des Weiteren bedienten sich die Nationalsozialisten eines Gedichts des deutschen Literaturwissenschaftlers Friedrich Theodor Vischer (* 30.06.1807, † 14.09.1887) namens “An die Empfindsamen". Dabei wurde das Gedicht allerdings verkürzt dargestellt und nur der Teil gezeigt, in dem es um die Kraft als Mittel zur Lösung geht. Dabei wird vor allem die Aufopferung für den höheren Zweck (also Krieg, Nation, Volk) betont und die sogenannte “Weichheit”(im Sinne des Auslassens) als Defizit dargestellt. Zudem ist ein starker Bezug zum Militär gegeben, denn im “Kampf” könne man aus der Kraft schöpfen. Der stählerne Körper ist schlussendlich zum Kämpfen für die Nation, für die Ideologie da, der Sport ist mittel zum Zweck, um ihn fit, trainiert und einsatzfähig zu halten.

Wie ist mit solchen Gravuren umzugehen?

Zunächst zum historischen Kontext: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Rassenhygiene, basierend auf den Theorien des Sozialdarwinismus, nicht nur in Deutschland bekannt, sondern auch international wurden Sterilisierungsgesetze erlassen und durchgeführt (Graf; Schiefender, 2020). Die Nationalsozialisten hatten das Ziel “erbgesunde” Menschen für den sogenannten “Volkskörper” zu erziehen, dabei wurde die Eugenik negativ eingesetzt und Menschen mit Behinderungen oder beispielsweise psychischen Erkrankungen systematisch ausgelöscht. Der “Volkskörper” sollte neugestaltet werden, dabei waren das griechische Schönheitsideal der Antike, aber auch andere mythische Vorbilder die Prototypen der “Arier”, der als großer, blauäugiger, junger Mann illustriert wurde (Diehl, 2006). So symbolisierte der “krisenfeste arische” Körper Reinheit, Schönheit und Gesundheit, dies war gleichbedeutend für die Nationalsozialisten mit einem gesunden Geist und einem starken Charakter (Graf; Schiefender, 2020). Da die biologischen Eigenschaften und die “rassische” Qualität des Körpers über den Ein- und Ausschluss in die “Volksgemeinschaft” entschieden, verwundert es nicht, dass ein solches Sgraffito in der Turnhalle des Olympiaparks zu finden es, zumal die Gestaltung der Figuren alle eben genannten Kriterien erfüllt.

Doch welche Symbolik, welche politische Funktion, wurde dem Körper in der NS-Zeit zugeschrieben? Und warum sind die Körper nackt?

HItler kreierte eine Imaginärpolitik, welche über Bilder, Diskurse und Erlebnisse die Körper auf einen einheitlichen Zweck ausrichten sollte, nämlich auf die Formierung leistungsfähiger Einzelkörper zu einem Volkskörper und dessen Unterordnung unter die Befehlskraft eines Führers (Gamper, 2006). Die Massenveranstaltungen im Olympiapark waren die eine Seite, sie sollten das "Volk" zu einem gemeinsamen Konsens bringen und die dargestellten Körper in Form von Statuen, Symbolen oder auch Sgraffitos halfen dabei, die von den Nationalsozialisten festgelegte Norm in den Köpfen der Menschen zu verknüpfen. Über den Körper wurde hier also die (bio)-politische Haltung übertragen. Die Nacktheit der Figuren lässt sich daran erklären, dass sie die reinste natürliche Art des Menschen, ohne Verkleiden oder Verstecken der Körperteile, darstellte. Die Körper waren nackt "unmarkiert", "ungeschützt" (und deshalb besonders heroisch) aber auch "frei verfügbar" im Übertragenen Sinne für alle Zwecke (Gamper, 2006).

Die Nationalsozialisten verbanden einen gesunden Körper, eine gesunde "Volksgemeinschaft" mit der Erhaltung der Natur, dies war sowohl landschaftlich (also der Schutz der Natur beispielsweise durch das Reichsschutzgesetz 1935 )gemeint, als auch körperlich, denn nur durch die sportliche Ertüchtigung (die am Ende für den Krieg gegen andere, unterlegene Völker eingesetzt wird) in einer gesunden Natur kann diese Ideologie aufrecht erhalten werden. Die Darstellung der nackten Körper ist demnach eine Inszenierung dieser Thesen und findet in dieser Form den Zusammenschluss von Sport, Politik und Körperbildern in NS-Deutschland.




Weichheit ist gut an ihrem Ort,

Aber sie ist kein Losungswort,

Kein Schild, keine Klinge und kein Griff;

Kein Panzer, kein Steuer für dein Schiff.

Du ruderst mit ihr vergebens.

Kraft ist die Parole des Lebens:

Kraft im Zuge des Strebens,

Kraft im Wagen,

Kraft im Schlagen,

Kraft im Behagen,

Kraft im Entsagen,

Kraft im Ertragen,

Kraft bei des Bruders Noth und Leid

Im stillen Werke der Menschlichkeit.


| Station   -        Weg zum Olympiastation/heutige Fußballfelder/Landschaftliche Merkmale

Nutzung des Geländes im Laufe der Zeit

Sport- und Ausbildungsstätte heute und früher

Das Olympiagelände war bereits seit 1906 als Ort für die Sport- und Freizeitnutzung der Bevölkerung gedacht. (Wie heute ja auch noch; ununterbrochene Nutzung für den Sport und auch für Großveranstaltungen im deutschen Sport. Doch von Beginn an war das nicht der einzige Zweck, der mit dem Gelände verfolgt wurde und die Nutzung des Geländes war auch immer von bestimmten politischen Zielen beeinflusst. Das Gelände entstand und wurde weiterentwickelt vor allem durch politische Förderung (Kaiserreich, Weimar, NS-Regime) Diese Einflüsse lassen sich an verschiedenen Stellen noch bis heute sehen – an den Gebäuden, den Skulpturen, aber sogar auch an der Landschaft und dem Straßennetz Berlins.

1906 – Pferderennbahn Reitclub Charlottenburg soll das „dt. Stadion“ finanzieren.

Die Idee für ein Stadion auf dem Gelände entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts inspiriert von den olympischen Zwischenspielen 1906 in Athen. Zuvor war es bereits als Pferderennbahn genutzt worden. Unter Kaiser Wilhelm II. sollte das Gelände zur Sport- und Freizeitnutzung der Bevölkerung genutzt werden. Neben freizeitlichen Zwecken wurde auch die Möglichkeit der Ausrichtung von „deutschnationalen“ olympischen Spielen angestrebt. (Schmidt, S. 20) (à bereits politische und ideologische Ziele, die mit der Gestaltung des Geländes verfolgt wurden)

[Das „Deutsche Stadion“ von Otto March sollte bereits für Olympia 1912 oder 1916 erbaut werden. Otto March befürwortete eine „nationale“ Architektur und Baukunst, wobei er auch antidemokratische und antisemitische Schriften zum Vorbild hatte. O. March war bereits seit 1880 öffentlicher Antisemit. Die Idee von einem nationalen Volkstum gab er auch in seiner Familie weiter. (Schmitz, S.227-228)]

In Marchs Plänen wurde bereits die Landschaft, der märkische Kiefernwald und die Eiche, als „deutsches“ Vorzeige-Merkmal der Natur berücksichtigt. (Schmitz, S. 232) Die Verehrung der Nation als etwas heiliges und ursprüngliches war ein zentrales Element von Marchs Planungen für das Olympia-Gelände. (Schmitz, S. 237-238) Nach Marchs Überzeugung könne durch Sport und Wettkämpfe ein stärkeres, schöneres Volk entstehen. Dies entsprach auch den Vorstellungen von Carl Diem, der dem Sport eine ähnliche Wirkung auf die Körper einer Nation zuschrieb. (Schmitz, S. 240)

[1913 wurde das „Deutsche Stadion“ von Kaiser Wilhelm II eröffnet. Die olymp. Spiele 1916 finden wegen des Krieges nicht statt.]

Am 15.05.1920 wurde die Hochschule für Leibesübungen (Nutzung des Geländes für Bildung) gegründet und zunächst im „Deutschen Stadion“ eingerichtet. Die Initiative dafür kam von Carl Diem, dem Generalsekretär des Reichsausschusses für Leibesübungen. Er strebte auch eigene Gebäude für die Hochschule auf dem Gelände an. Am 13.10.1925 wurde hierfür von Reichspräsident von Hindenburg der Grundstein gelegt. (Rede: „Deutsche Jugend, der dieses Werk gewidmet ist, werde treu, werde stark und hart.“ Schmidt, S. 22) → dieses Körperbild war Teil der nationalistischen Ideologie und sollte auch vermittelt werden

Für das Deutsche Sportforum gab es 1926 einen Ideenwettbewerb, den Werner March gewann. Er war zunächst noch mit seinem Bruder Walter (wanderte nach den Spielen in die USA aus, war kein Nationalsozialist, Schmitz, S. 247) gemeinsam angetreten. Das Konzept entsprach einer „monumentale[n] Architektur und freier Landschaft aus dem Geist der jungen deutschen Sportbewegung“ (Schmitz, S. 246) 1926 wurde W. March dann mit dem Bau von vier Turnhallen und einem Studentinnenwohnheim sowie weiteren Bauten beauftragt. Das damalige Sportforum ist noch heute zu sehen und war bereits in einer monumentalen Bauweise geplant. Das Anna-Heim kann für die Zeit als „modern“ beschrieben werden. (Schmidt, S. 24)

[1925 sollte das „Deutsche Stadion“ erneuert und erweitert werden, da es den Ansprüchen der Nutzung nicht mehr genügte. (Zuschauermenge von 30.000 auf 80.000 erhöhen, Anfahrt, Hygienische Anforderungen) (Schmidt, S. 24) à Vorüberlegungen durch March 1927; 1931 Zuschlag für die Olympischen Spiele à Neukonzeption Marchs bis 1933 (Genehmigung der Pläne Juni 1933) (Schmidt, S. 28)]

Ab 1933 war das Reichsministerium des Innern für die Neukonzeption des Geländes (ab 1933 „Reichssportfeld“) zuständig und es gab neue Ansprüche, da die kommenden olympischen Spiele als Mittel der Auslandspropaganda gesehen wurden. Auch die Architektur sollte beeindrucken und überwältigen. Das stand im Licht der Überzeugung Hitlers, dass sich politische und nationale Stärke auch in der Bauweise und Architektur manifestieren und demonstrieren müssten. (Schmidt, S. 30). Zur Sport-Funktion kam nun noch der Anspruch hinzu, politische Großveranstaltungen auf dem Gelände auszurichten.

[Es sollten ein größtmögliches Stadion, Aufmarschfeld und Freilichttheater gebaut werden. (Schmidt, S. 30) Verkündung in der Abendausgabe der Vossischen Zeitung am 17.10.1933: Aufmarschgelände für 500 000 Pers.; Stadion für 100.000 Pers.) Diese Vorgaben erfüllte March nicht, doch ihm wurde der Auftrag nicht entzogen. Evtl. weil dazu keine Zeit war. (Schmidt, S. 32) Sein Entwurf enthielt schließlich ein Aufmarschgelände für 150 000 Pers. (später noch auf 200 000 und 35 000 erhöht) und 20 000 Plätze in der Freilichtbühne. (Schmidt, S. 36)]

Bei der Planung durch March galt der Anspruch, das Gesamtkonzept mit der ursprünglichen märkischen Landschaft zu verbinden, was dem Architekten von Beginn an wichtig war. Die Landschaft beschrieb er als „zart“, und berührt und schön und wollte sie nicht mit zu schweren Bauten belasten. (Schmidt, S. 36) Gartenarchitekt war Heinrich Wiepking-Jürgensmann. (Donath, S. 84)

 [1934 wurden die Kapazitäten für das Gelände berechnet und es ergab sich, dass insgesamt in den drei großen Baulichkeiten nur 380 000 Personen untergebracht werden konnten. Öffentlich wurde von einer halbe Million Menschen gesprochen. (Schmidt, S. 39)]

Da das Gelände für Massenveranstaltungen genutzt werden sollte und auch genutzt wurde, wurde ein Verkehrs- und Wegekonzept benötigt. Der Stadtbaurat von Berlin teilte die Stadt dafür in sieben „Aufmarschbezirke“ (Schmidt, S. 40) ein, aus welchen die Menschenmassen zum Aufmarschgelände strömen sollten. Diese Planungen waren in ein größeres Straßenbauprogramm integriert, das sieben strahlenförmige Zufahrtsstraßen vorsah; unter anderem eine Anmarschstraße (wie eine römische via triumphalis) aus der Stadtmitte (Lustgarten) vorsah, auf der auch der Träger des olympischen Feuers 1936 zum Stadion lief. (Schmidt, S. 40)

 Neben der Nutzung für Sportveranstaltungen und politische Veranstaltungen gab es auch Pläne, eine Einrichtung für militärische Ausbildungsprogramme auf dem Gelände unterzubringen. Die Wehrtechnische Fakultät sollte im Grunewald entstehen und eine Anbindung an das Olympiagelände erhalten. (--> Sport und Militär) Außerdem gab es Pläne, die Ausbildung der SA im Rahmen des Reichsbundes für Leibesübungen durchzuführen. Das Gelände sollte zur Erziehung „junger deutscher Männer“ dienen. (Schmidt, S. 39-40)

 

[Stilistisch war auch Albert Speer in die Pläne involviert, er entwarf beispielsweise die Stadionfassade. (Schmidt, S. 46) Speer wird später sagen, dass March zunächst vor allem mit Glasfassaden gearbeitet hätte und er innerhalb kürzester Zeit die monumentalen Steinverkleidungen hinzugefügt hätte. Diese seien viel mehr nach Hitlers Wünschen gewesen. (Copley, S. 83) „In particular, in a 1994 interview art historian Hans-Ernst Mittig dismissed Speer’s version as ‘fairy tale’ which suited both Speer and March in the post-war climate. To Mittig, Speer was happy to admit to anything that would not cost him his life, and taking responsibility for various buildings would have far less severe consequences than explaining his other activities in Nazi Germany, whereas March’s priority was for the continuation of his career after the war.“ (Copley, S. 83) Außerdem war March danach noch an weiteren Projekten Hitlers beteiligt, wie die Umgestaltung deutscher Städte zu „Führerstädten“ (Schmidt S. 99 ff.) Das deutet nicht darauf hin, dass seine Bauweise den propagandistischen Ansprüchen des Nationalsozialismus nicht entsprochen hätten. Auch erhielt March für die Bauten eine symbolische Gold- und eine Silbermedaille. (Schmidt, S. 62) Schmidt schreibt dennoch, dass March während der Entwurfphase immer wieder Schwierigkeiten mit den nationalsozialistischen Planungsbehörden und mit Hitlers Vorstellungen hatte und die gewaltige monumentale Bauweise nicht in seinem Sinne gewesen wäre. Sein Stil wäre modern-sachlich geblieben. (Schmidt, S. 62)]

 nach 1945 bis heute – Nutzung und Diskussionen

1952 – 1994 – hinterer Teil wurde von der britischen Verwaltung/Streitkräften genutzt (britisches Hauptquartier) und war nicht öffentlich zugänglich bis 1974

 Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände über die Jahre schrittweise wieder aufgebaut, was noch da war wurde erhalten und bewahrt.

Am 12. Mai 1949 wurde das vordere Gelände wieder an West-Berlin übergeben. Die Verantwortlichkeit für das Gelände war zwischen Land und Bund umstritten bis 1963. Dann bekam vor allem das Land Berlin die Entscheidungskompetenzen. Es fanden auch wieder Großveranstaltungen wir Konzerte, Kirchentage, Polizeisportfeste statt. Diese Veranstaltungen sollten auch die deutsche Einheit symbolisieren. (Donath, S.84)

Ab 1962 wurde das Gelände das Zentrum von Hertha BSC als Trainingsgelände genutzt. Außerdem fanden auch andere Sportveranstaltungen auf dem Gelände statt.

Heutige Nutzung: Training, Übungsplätze Herta BSC

Für Auswahlspiele für den FIFA World-Cup 1974 wurde das Stadion zu einem modernen Stadion erneuert und ausgebaut. (Copley, S. 84-85) Dagegen protestierte Werner March (gegen den Plan ein Dach zu bauen). Seine Rechte wurden gerichtlich überprüft. Die Überprüfung sprach March zwar keine Rechte zu, allerdings wurde March dann nochmal mit einbezogen. (Copley, S. 85)

nach der Wiedervereinigung 1990 – neue Liegenschaften werden von der Stadt verpachtet, da diese mit der Verwaltung überfordert war.

 Im wiedervereinigten Deutschland/Berlin wurde über die Möglichkeit diskutiert, Olympia 2000 wieder auf dem Gelände auszurichten. 1993 bewarb sich die Stadt um die Ausrichtung der Spiele. „Die regierende Koalition im Berliner Abgeordnetenhaus, die Mainstream-Medien sowie private Unternehmen begrüßten die Spiele als Schlüssel zur Zukunft Berlins.“ (Johnson, S. 689) Gegen die Ausrichtung richtete sich aber auch gesellschaftlicher Protest. Die Spiele wurden schließlich nicht an Berlin vergeben. Große Sportereignisse wie Olympia haben nach wie vor einen großen bleibenden Einfluss auf die ausrichtende Stadt. (Johnson, S.691-692) Gegner der Olympischen Spiele 2000 in Berlin fürchteten einen negativen Einfluss der Spiele auf die Gestaltung des öffentlichen Raums in der Stadt. 

 Heute: Erneute Diskussion über Olympia 2036?


Literatur:

Copley, Clare. Nazi Buildings, Cold War Traces and Governmentality in Post-Unification Berlin. London 2020.

Matthias Donath, Konservieren und kommentieren – Denkmalvermittlung für das Berliner Olympiagelände, in: ICOMOS – Hefte des Deutschen Nationalkomitees Vol. 38 (2002), DOI: https://doi.org/10.11588/ih.2001.0.20908.

Johnson, Molly. Mega-Events, Urban Space, and Social Protest: The Olympia 2000 Bid in Reunified Berlin, 1990–1993. In: Central European History 52 (2019), 689–712. doi:10.1017/S000893891900089X.

Schmidt, Thomas. Werner March. Architekt des Olympia-Stadions. 1894 – 1976. Basel 1992.

Schmitz, Rainer. Heimat. Volkstum. Architektur. Sondierungen zum volkstumsorientierten Bauen der Heimatschutz-Bewegung im Kontext der Moderne und des Nationalsozialismus. Bielefeld 2022. 10.1515/9783839458501.




| Station  Glockenturm/ Maifeld:

Der Glockenturm ist ein 77,17 Meter hoher Aussichtspunkt.

“Der Glockenturm gehört zur Gesamtanlage des 1934 bis 1936 nach den Plänen von Professor Werner March (mit Unterstützung seines Bruders Walter March) für die XI. Olympischen Spiele 1936 erbauten, 132 ha großen, "Reichssportfeldes". Im Mittelpunkt dieser in ihrer Übersichtlichkeit und Landschaftsverbundenheit einmaligen Anlage liegt das Olympiastadion, welches das 1913 für die ausgefallenen Olympischen Spiele von 1916 inmitten der Rennbahn Grunewald errichtete Deutsche Stadion ersetzte”

Langemarkhalle, Glockenturm und Maifeld

  • 1936 erbaut nach Plänen von Werner March
  • Langemarkhalle, Glockenturm und Maifeld bilden ein Ensemble und den dramaturgischen Höhepunkt der Ost-West-Achse
  • Das Olympiastadion öffnet sich nach Westen hin zum Maifeld mit 25 Meter breitem Marathontor gerahmt von zwei Treppentürmen
  • Das Maifeld war als Platz für Mai-Aufmärsche und andere propagandistische Veranstaltungen vorgesehen

Zu Zweiergruppen zusammengefasst standen im Norden und Süden Beobachtungstürme. Im Norden der “Friesen und der Sachsenturm” und im Süden der “Franken- und Schwabenturm”
Es ist 112.000m2 groß´und war für bis zu 250.000 Besucher*innen konzipiert, dazu bieten die Tribünen nochmal Platz für 60.000 Zuschauer*innen.
Während der olympischen Spiele fanden dort Polo und Dressurreiten Wettbewerbe statt, sowie eine Vorführung von 20.000 Berliner Schüler*innen
Anders als geplant wurde es nur selten für Aufmärsche genutzt
September 1937 großer Auftritt beim DE Besuch von Mussolini. Rede von Hitler, Goebbels und Mussolini vor geschätzt 700.000 Teilnehmern
Während britischer Nutzung fanden dort die Geburtstagsparaden für die Queen statt, tausende Berliner Besucher*innen
Soldaten veranstalteten hier Rugby, Cricket, Polo und andere Wettkämpfe
Konzerte von Genesis, Pink Floyd und Tina Turner

  • Während der Olymp. Spiele waren im 76 Meter hohen Glockenturm Beobachtungsstände der Festleitung, der Polizei, des Sanitätsdienstes sowie der Rundfunk- und Filmberichterstattung
    Glockenturm unterstreicht die Ost-West-Orientierung der gesamten Anlage optisch
    Während Bauphase wurde der Turm auch “Führerturm” genannt, auf Tribüne zum Maifeld hin befand sich der “Führerstand”
    Die 4,28m hohe Olympiaglocke war das Logo der Olympischen Spiele 1936, mit olympischen Ringen, Reichsadler und Brandenburger Tor
    In Neuzeit verbreitete sich säkulare Nutzung von Glocken. Bspw. an Kriegerdenkmäern, an NS Ordensburgen gab es Glocken (Schulung von Kadern), Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten erklärte die Olympiaglocke zum “ewigen Mahner an den Opfertod unserer Helden” und zu einer “Verpflichtung” für die Lebenden
    Aufgrund zu starker Beschädigungen wurde der Turm 1947 von britischen Pionieren gesprengt, wobei die alte Glocke stark beschädigt wurde und diese steht an der Südseite des Olympiastadions als “Denkmal”
    Zwischen 60 und 62 wurde der Turm nach Originalplänen wieder aufgebaut, diesmal aber eine viel kleinere Glocke mit Bundesadler und Brandenburger Tor drauf und ähnlichem Text “Olympische Spiele 1936” und “ich rufe die Jugend der Welt”
  • Langemarkhalle befindet sich im Fuß des Turmes
    Soll an die Gefallenen der Schlacht bei Langemarck in Flandern erinnern wo zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 zehntausende schlecht ausgebildete junge Reservisten in den Tod geschickt wurden
    Noch während des Krieges fand eine Mystifizierung dieser Schlacht statt und ein den Heldentod idealisierender Mythos von Langemarck entstand nach dem Krieg

Dieser Mythos wurde von den Nazis bereitwillig aufgegriffen
An den 12 mächtigen Stützpfeilern im Inneren waren die 76 Fahnen der Regimenter sowie an den Wänden die zehn Stahlschilde mit den Namen der Divisionen angebracht worden, Vor einem aus dem Boden optisch herausgehobenen Block wurde mit einer Stahlplatte bedeckte Erde vom Friedhof von Langemarck aufbewahrt. Die Schmalseiten der Wände trugen in Stein gemeißelte SInnsprüche:

“Ihr heiligen grauen Reihen / Geht unter Wolken des Ruhms / Und tragt die blutigen Weihen / Des heimlichen Königtums!” (Walter Flex) und “Lebe droben, o Vaterland, / Und zähle nicht die Toten, / Dir ist, Liebes, /Nicht einer zuviel gefallen!” (Friedrich Höderlin)

| Station Adlerplatz

Am Ende der Sportforumsstraße befindet sich der Adlerplatz mit zwei Adlerpfeilern vor dem Haupteingang zum Haus des Deutschen Sportes (Schmidt, S. 86) 

Der Platz wurde im Rahmen der Erweiterungen für 1936 zum Gelände dazu-geplant. Am Gebäude entlang führte die „Friedrich Friesen Allee“ am „Körnerplatz“ (heißt bis heute so) entlang. Rechts davon befindet sich der Friesenhof.

Die Straßen und Wege auf dem Olympiagelände wurden sehr breit angelegt. Alleen und Hecken sollen die Architektur einrahmen und betonen und das Gelände mit seinen vielen Plätzen und Sportstätten zusammenbringen.

Adlerpfeiler:

  • Von Waldemar Raemisch März 1935 Auftrag des Kunstausschusses zur Ausstattung des Olympiageländes (Nach Wettbewerb)
  • Raemisch entwarf auch den von Hitler gestifteten Olympischen Orden und das offizielle Olympiaabzeichen.
  • Raemisch war mit einer Jüdin verheiratet und emigrierte 1939 in die USA. (Kluge, Volker: Olympiastadion Berlin. Steine beginnen zu reden, Berlin, 1991, S. 92-93.) 

Der Platz und die Pfeiler markierten den Eingang zum Dienstsitz des Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten.

Am Fuß des Fahnenmastes auf dem Adlerplatz gibt es einen Gedenkstein, der daran erinnert, dass die britischen Truppen das Gebäude nach 1945 bis 1994 als Hauptquartier nutzten.


| Station: Villa im Olympiapark / Gretel Bergmann Weg

Dienstvilla nach Plänen Werner Marchs für den damaligen „ Hans von Tschammer und Osten erbaut

  •       Hans von Tschammer und Osten war „Reichssportführer“ und Präsident der „Deutschen Reichsakademie für Leibesübungen“
  •       1938 von Paul Wynand geschaffene Bronzestatue im Garten
  •       Baujahr: 1937/38
  •       Nach Tschammers Tod 1943 bewohnte die Familie weiterhin die Dienstvilla
  •       Ab 1946 wurde das Gebäude vom britischen Stadtkommandanten genutzt erst als Dienstvilla, als Offiziersmesse
  •       Seit dem Abzug der britischen Alliierten im Jahr 1994 wird die Villa für Hochzeiten, Partys von Künstlern die in der Waldbühne auftreten, und für Seminare, Präsentationen und Vereinsfeiern genutzt.
  •       Die denkmalgeschützte Villa liegt am Rand des Naturschutzgebietes Murellenschlucht

Lähmung rechte Hand von Tschammer und Osten (Lorenz Peiffer: Tschammer und Osten, Hans von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 26, Duncker & Humblot, Berlin 2016, ISBN 978-3-428-11207-5, S. 471 (Digitalisat).

Möglicher roter Faden der Station “Villa und Gretel Bergmann Weg”:

Aufzeigen der konkreten Konsequenzen der NS-Ideologie für Sportler*innen. Reichssportführer anhand Tschammer und Osten ideologische Durchdringung aufzeigen, anhand Gretel Bergmann persönliche Lebensgeschichte erzählen, die dadurch betroffen war.

 

Bibliografie

Tschammer und Osten / Gretel Bergmann

Thomas Schmidt / Gesine Sturm, Das ehemalige Wohnhaus des "Reichssportführers": auf dem Olympiagelände Berlin-Charlottenburg, Berlin 2014.

Thomas Schmidt, Das ehemalige Wohnhaus des "Reichssportführers" auf dem Olympiagelände Berlin-Charlottenburg: Tagungsort, Berlin 2015.

Dieter Steinhöfer, Hans von Tschammer und Osten. Reichssportführer im Dritten Reich, Berlin / München u. a. 1973.

Volker Kluge, Hitlers Statthalter im Sport: Hans von Tschammer und Osten, in: Sozial- und Zeitgeschichte des Sports, Vol. 7 (1993), H. 3, S. 29-42.

Berno Bahro, Vergessene Rekorde: jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933, Berlin 2009.

Christian Frietsch, Hitlers Angst vor dem jüdischen Gold: der Fall Bergmann, die verhinderte Olympiasiegerin, Baden Baden 2013.

Gretel Bergmann, Ich war die große jüdische Hoffnung: Erinnerungen einer außergewöhnlichen Sportlerin, Karlsruhe 2003.

Lorenz Pfeiffer, Gretel Bergmann - "Spielball" der Nazis, in: Diethelm Blecking / Lorenz Peiffer (Hg.), Sportler im "Jahrhundert der Lager", Göttingen 2012, S. 149-156.

Lorenz Peiffer, Tschammer und Osten, Hans von, in: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 26, Berlin 2016,  S. 471 (Digitalisat).

Thomas Vordermayer, „Bergmann, Gretel“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.03.2022, zuletzt geändert am 01.10.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/119334275.html#dbocontent.

Claudia Diederix, Ausgegrenzt, ausgebootet, zur Flucht getrieben. Die Lebensgeschichte der jüdischen Hochspringerin Gretel Bergmann, in: SportZeit. Sport in Geschichte, Kultur und Gesellschaft 1 (2001), S. 5–30.

Gertrud Pfister, Gretel Bergmann – um den Olympiasieg betrogen, in: Annette R. Hofmann / Michael Krüger (Hg.), Südwestdeutsche Turner in der Emigration, 2004, S. 189–200.

Nachlass Tschammer: https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/main.xhtml

Jutta Braun, Gretel Bergmann, in: Berno Bahro / Jutta Braun / Hans Joachim Teichler (Hg.), Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933, 2009, S. 89–99.

Lorenz Peiffer, Gretel Bergmann – gefeiert, verfolgt und dann vergessen! Leistungen und Schicksal einer jüdischen Sportlerin in Deutschland, in: Martin Furtwängle / Christiane Pfanz-Sponagel / Martin Ehlers (Hg.), Nicht nur Sieg und Niederlage. Sport im deutschen Südwesten im 19. und 20. Jahrhundert, 2011, S. 177–192.

Udo Bayer, Jüdisches aus Laupheim. Prominente Persönlichkeiten einer Landjudengemeinde, 2015, S. 51–67.

Joseph M. Siegman, Art. „Gretel Bergmann“, in: ders., The International Jewish Sports Hall of Fame, 1992, S. 188.

Ludger Heid, Art. „Bergmann, Gretel“, in: Jutta Dick/Marina Sassenberg (Hg.), Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Lexikon zu Leben und Werk, 1993, S. 56–58.

Gertrud Pfister, Art. „Gretel Bergmann“, in: The Shalvi/Hyman Encyclopedia of Jewish Women, 1999. [Onlineressource]

Klaus Amrhein, Art. „Bergmann, Margaret („Gretel“)“, in: Klaus Amrhein, Biographisches Handbuch zur Geschichte der deutschen Leichtathletik 1898–1998, 1999, S. 36 f.

Christine Schmidt, Art. „Gretel Bergmann“, in: FemBio. Frauen-Biographieforschung, o. J. [2014]. [Onlineressource]

Allgemeines

Clare Copley, Nazi Buildings, Cold War Traces and Governmentality in Post-Unification Berlin. London 2020. 

Rainer Rother (Hg.),  Geschichtsort Olympiagelände, Berlin 2006.

Matthias Donath, Konservieren und kommentieren – Denkmalvermittlung für das Berliner Olympiagelände, in: ICOMOS – Hefte des Deutschen Nationalkomitees Vol. 38 (2002), DOI: https://doi.org/10.11588/ih.2001.0.20908.

Martin Schönfeld, Geschichtsort Olympiagelände, in: Mitgliederrundbrief / Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V., (2006) 56, S. 28-30.

Jutta Braun, Weg mit den Skulpturen!? : der Streit um die "Entnazifizierung" des Berliner Olympiageländes, in: Frank Bösch und Martin Sabrow (Hg.): ZeitRäume. Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, Göttingen 2020, S. 19-40.

Wolfgang Schäche / Norbert Szymanski, Das Reichssportfeld: Architektur im Spannungsfeld von Sport und Macht, Berlin 2001.

Jürgen Tietz, Sport und Erinnerung, in: Geschichtsort Olympiagelände, Berlin 2006, S. 10-21.

 


Allgemeines zu Kunst, Skulpturen, Körper und Sport im Nationalsozialismus

  • Propagandistische „Volkskunst“ war in der nationalsozialistischen Weltanschauung notwendig
    • Gleichschaltung der Kunst im Zuge der Machtergreifung
      • Freies künstlerisches Schaffen wurde unterbunden
    • Als Ausdruck der Ermächtigung des Volkes müsse es einen einheitlichen Kunststil geben
    • Knüpfte an die Kunst des 19. Jahrhunderts an
    • Themen der bildlichen Darstellung sollten die Maxime aus Blut-und-Boden und der Rassentheorie darstellen
      • Rolle des Künstlers (+Künstlerinnen?) sei die Weltanschauung darzustellen, damit Verortung im Volk, Gemeinsamkeit, „auch Künstler*innen ordnen sich den großen Zielen der NS-Bewegung unter und dienen ihr“
      • Kunst sollte regimetreu sein und soziale Identitäten vermitteln, die durch die Weltanschauung vorgegeben und determiniert waren
      • Kunst sollte aber vor Allem dann auch dem Volk gefallen und klar und verständlich sein
    • Antikes Griechenland und Römisches Reich wurden zum politischen und kulturellen Erbe erklärt, der Rassentheorie und Stammbaumlinie zufolge seien die Griechen „Arier“ gewesen
      • Schultze-Naumburg berief sich hierfür auf Homers Götterbeschreibung als „hochgewachsen, blond etc.“
  • Konträr zur „Volkskunst“ stand die sog. „entartete“ Kunst
    • „Entartet“ im Sinne der Rassenideologie, d.h. durch jüdische Künstler*innen oder aus ästhetischen Gründen
      • Expressionismus galt erst nach 1935 als „entartet“, hatte einige Fürsprecher, wie Joseph Goebbels
    • „Gegnerische“ Kunst sei eine Gefahr für das Volk, es könnte infiltriert werden
  • Spätestens 1936 gab es für die künstlerische Moderne keine öffentlichen Darstellungsmöglichkeiten
  • Nationalsozialistische Kunstpolitik zielte zunächst darauf Aggression und Ablehnung gegen moderne Kunst zu schaffen (durch politische Feindbilder)
    • Selbstbestimmung durch Fremdbestimmung: musste keine konkrete Definition für Nazi-Kunst geschaffen werden, es reichte bestimmte Stile und Feindbilder zu diffamieren und ein paar Vorbilder zu nennen, um sich darüber selbst zu definieren
  • Für Hitler gehörten Kunst und Politik untrennbar zusammen, Künstler als Schöpfer eines Abbilds der Welt
  • In Kunstwerken sollte das „Dritte Reich“ für die Ewigkeit bestehen (auch nach seinem Untergang)
  • Idealerweise erkannte sich der/die Betrachter*in in der Kunst wider, so konnte Propaganda unbewusst wirken und Bilder und Wahrnehmung vermittelt werden 
  • Inhalte der sog. „Volkskunst“
  • Politische Bestrebung war lesbare Kunst schaffen, die durch ihre Inhalte Identifikationsgrundlagen schafft
    • Darstellung symbolisch in der Ideologie verankert mit neuen sozialen Identitäten
    • Darstellung der Kräfte und Ideale des NS, Schönheit der „arischen“ Körperlichkeit und Geistigkeit
    • Es wurden Heroen als idealistische Vorbilder geschaffen: Bauern, Arbeiter und Soldaten
    • Betonung von Körperkraft und Dynamik symbolisierte den Sieg über Maschinen und Natur, durch körperliche Ertüchtigung gestählte Körper (s.12)

„Der Nationalsozialismus beruhe vielmehr auf „[...] blutsmäßig fundierten Erkenntnissen, nicht auf altertümlichen Überlieferungen [...]“28, und dies solle auch für die Kunst gelten.“

Quelle: Hitler, Adolf: Kunst verpflichtet zur Wahrhaftigkeit [Rede Adolf Hitlers auf der Kulturtagung des NSDAP Parteitages der NSDAP in Nürnberg] In: Völkischer Beobachter, 7.9.1934. Zit. nach: Adolf Hitler: Reden zur Kunst- und Kulturpolitik 1933-1939, hg. von Robert Eikmeyer. Frankfurt a.M. 2004. S. 75.

„Nationalsozialistische Künstler sollten das „[...] Auslesevorbild des nordischen Menschen gestalten [...]“41 ,“

Rave, Paul Ortwin: Kunstdiktatur im Dritten Reich. Hg. v. Uwe M. Schneede, Berlin 1949. S. 22.

Quelle: Holert, Anna Isabel, Politische Strategien und ihre visuelle Umsetzung in der bildenden Kunst im Nationalsozialismus. In: Kunsttexte, Nr. 3 2010.

  • Sportler als Idole für die Nazipropaganda, Sportler als idealer „Arier“ und als Soldaten
  • Deutsche Sportler*innen wurden versucht als antike Helden zu inszenieren
  • Körperkult und Wehrhaftigkeit
  • NS-Elite war dagegen relativ unsportlich, Hitler ging nur spazieren und war Nicht-Schwimmer
  • Sportler Rudolf Harbig (08.11.1913 – 05.03.1944), dt. Leichtathlet und Mittelstreckenläufer
    • Bei Olympia 1936 Bronze bei 4-mal-400m Staffel
    • 1938 zweifacher Europameister
    • 1939 hält er vier Weltrekorde
    • Vorwurf des Dopings mit Pervitin (heute Crystal Meth) und NSDAP-Mitglied
  • Fußballspiele wurden noch zu Kriegszeiten in Nazi-Deutschland ausgetragen
  • Bei Olympia 1936 erstmals Fackellauf, Erfunden von Carl Diem
  • Olympia 1936 Weitsprung Jesse Owens und Luz Long 

[Notizen zur Doku ZDFinfo, “Helden der Propaganda - Sportler in der NS Zeit, 09.06.2017 https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/helden-der-propaganda-sportler-in-der-ns-zeit-102.html .] 

  • Ein Ziel der Nazis war „politische Leibeserziehung“ die mit turnerischen, gymnastischen und sportlichen Elementen verbunden war
  • Sport erfuhr unter Hitler eine bisher nie dagewesene Aufmerksamkeit und Unterstützung aber auch Zweckentfremdung
    • Ideologische Aufwertung des Körpers gegenüber dem Geist, Kraft gegenüber Intellekt
  • Zügige Gleichschaltung des gesamten Sports, da völkisch-nationalistisches Gedankengut bereits verbreitet war (s.33-34)
  • Ziele des NS Sports: Förderung des Kraftbewusstseins durch soldatisch-kämpferische Haltung, die das Überlegenheitsgefühl der „arischen Herrenmenschenrasse“ unterstützen sollte; Auflösung von Klassen- und Konfessionsschranken, die gemeinsam mittels der völkischen Einstellung das Gemeinschaftsbewusstsein stärken sollte; Segregation der Geschlechter, durch die Bestimmung der Leibesübungen für die Frau zur Unterstützung der anstehenden Mutterrolle und für den Mann als Mittel zur Wehrertüchtigung
  • Für Mädchen und Frauen war in erster Linie Tanz und Gymnastik vorgesehen (s.35)
  • Sport gerade weil Sport scheinbar so unpolitisch ist, fand die Förderung des Breitensports im Nationalsozialismus große Zustimmung -  man konnte sich als Teil eines größeren Ganzen verstehen, Sport war somit ein wesentlicher Mechanismus für breite Massenzustimmung zur nationalsozialistischen Bewegung (s.39)

Quelle: Czech, Michaela, Frauen und Sport im nationalsozialistischen Deutschland. Eine Untersuchung zur weiblichen Sportrealität in einem patriarchalen Herrschaftssystem. Göttingen 1994. 

  • bis ins 18. Jh. war das Abbild des Herrschers das höchste Zeichen staatlicher Macht, im Fall von Hitler war das gerade zu Beginn seiner politischen Karriere von ihm nicht gewollt
  • Hitler wollte, dass die Kunst Ideale zeigte und nicht die Realität, er selbst passte auch nicht in das propagierte “Rassenideal”, er erließ teilweise Fotografie Verbote für die Presse
  • es gab männliche Skulpturen und Aktbilder, die pars-pro-toto-Figuren für den “Führer” und den NS Staat bildeten und welche die die staatlichen Werte repräsentieren und verteidigen (s.206)
  • Skulpturen hatten eine Symbolfunktion, Frauen- und Männerkörper hatten entsprechend der Geschlechterpolarität unterschiedliche Funktionen und Symbole (s.208)
  • Männliche Akt Skulpturen repräsentierten oft Staatsmacht, weibliche Skulpturen dienten als Allegorie der Natur
    • Weiblicher Akt wurde oft männlichen Helden-Bildern beigestellt, um beispielsweise die zu verteidigende “Heimat” zu repräsentieren 
    • häufige Darstellung von Frauen als “Sieg” “Befreite NAtion”; das Weibliche für Werte wie “Wahrheit, Natürlichkeit, Ewigkeit” “die Natur”, Funktion: Weibliche Darstellungen als Naturalisierung von Werten und Zuständen (s.212) 
    • Das Männliche als “die Tat, die Macht” “die Kultur”  

Quelle: Frietsch, Elke, Mediale Inszenierung von “Volk und Führer”: Akustik - bild- skulptur. in: Frietsch, elke / Herkommer, Christina (Hg.), Nationalsozialismus und Geschlecht Zur Politisierung und Ästhetisierung von Körper, “Rasse” und Sexualität im “Dritten Reich” und nach 1945. Bielefeld 2009.

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