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• „An die vorgegebene Art der Heirat knüpft sich eine vorgegebene Sicht der Welt“ (Oppitz, Michael (1991): Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya; Frankfurt aM; Suhrkamp; P.11)
• „So ähnelt der Entwurf der vorliegenden Studie am Ende einem orchestralen Stück. Es beginnt mit dem dünnen Ton eines einzelnen Instruments (eine einzelne Hochzeit in mythischer Vorzeit), aus dem sich allmählich eine Melodie entwickelt (das Dreierbündnis asymmetrischen der Heirat), die nach und nach als Thema von anderen Instrumenten übernommen und variiert wird (die mannigfaltige Wiederkehr der Prinzipien der Heiratsallianz in anderen Bereichen der Kultur), dabei auch in der Lautstärke anschwillt (das Erfassen ganzer Komplexe wie Sprache, Ritual, Wirtschaft, Recht, Metaphysik), bis es in vielstimmiger Gleichzeitigkeit als symphonisches Ganzes endet (die Abbildung der gesamten Kultur in der simultanen und vielfachen Verflechtung der einzelnen Komplexe mit dem zentralen System der Heirat).“ (Oppitz, Michael. 1991. Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S.15.)
• „Es sind die Autochthonen, die in ihrem Denken und in ihrer Weltsicht holistisch sind; folglich ist es auch das Dokument über sie.“ (OPPITZ, Michael (1991): Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, Seite: 16.)
• „Wer als Ethnograph vorab keine festen Themen hat, bringt die besten Voraussetzungen dafür mit, jene zu finden, die an Ort und Stelle von Belang sind, sich Interessen zu eigen zu machen, die auch die Interessen der Einwohner sind.“ (Oppitz, Michael (1991): Onkels Tochter, keine sonst. Suhrkampverlag Frankfurt am Main, 1. Auflage 1991. S.19, II. Absatz)
• Der erste Schöpfungsmythos der Magar-Schamanen, der die matrilaterale Kreuzkusinen-Heirat und mit ihr die asymmetrische Dreierallianz einführt, der die jeweiligen Ränge der Frauengeber und Frauennehmer festlegt und die Bewegung der Güter und Gaben anzeigt, spricht in seinen verschiedenen Varianten auch noch andere Themen der sozialen Wirklichkeit an. (Oppitz, Michael 1991: Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main. S. 34/35)
• „Die Prinzipien der verwandtschaftlichen Taxonomie nehmen die Prinzipien jenes soziologischen Entwurfs vorweg, nach dessen Muster das gesamte Leben der Magar sich abspielt.“ (Oppitz, Michael 1991: Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Frankfurt am Main. Suhrkamp. S. 41.)
• „Deutsch ist auf der ersten ansteigenden Generationsebene die terminologisch ärmste Sprache. Es kommt mit genau der Hälfte der Bezeichnungen aus wie das Nepali, mit sechs gegenüber zwölf, während die Sprache der Magar sich quantitative zwischen beiden bewegt, mit acht Kategorien bzw. elf wenn man die Unterscheidungen nach relativem Alter in drei der acht Kategorien hinzuzählt.” (Oppitz, Michael: Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1991, S. 69.)
• „Das Verschmieren von Kot, Asche, Ruß, Kreide, Erde, Dreck und immer wieder stinkenden Bierresten auf den Gesichtern der Gegner wird ohnehin als eine zweideutige Intimität ausgelegt: Es vertritt den Austausch und das Verschmieren sexueller Exkretionen auf dem Körper des Partners.“ (Oppitz 1991, S. 99)
• „Wörter bezeichnen die Dinge der sichtbaren Welt, und Wörter stellen Zusammenhänge her von Verhältnissen, die sich nicht unmittelbar greifen lassen. Sie können die Dinge in der Benennung isolieren können aber auch zusammenwerfen und übergeordnete Kategorien schaffen. Die sozialen Kategorien, die mit den Bedeutungsinhalten der verwandtschaftlichen Begriffe abgesteckt werden, schaffen selbst wiederum Schranken, die das gesellschaftliche Verhalten bestimmen.“ (Oppitz, Michael. 1991. Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S.103.)
• „Ich behaupte, die von den Magar durchgängig gewählte Form des indirekten Frauentauschs, nämlich die wieder und wieder reproduzierte Dreierallianz mit kleinen Gruppen, diene vor allen möglichen Formen am besten der Stabilität des Systems.“ (Oppitz, Michael: Onkels Tochter, keine sonst, Frankfurt am Main 1991, S.164.)
• „Angesichts solcher Formulierungen, die gleichermaßen nach Spielbank und nach Börse klingen, ist zu prüfen, wie die Eingeborenen selbst ihre Heiratsregeln einschätzen. Zunächst darf man wohl bezweifeln, ob eine Gesellschaft, die aufgrund einer dauernden wirtschaftlichen Knappheit gezwungen ist, tagtäglich mit ihren Ressourcen sparsam und umsichtig umzugehen, will sie nicht ihre substantielle Existenz riskieren, sich plötzlich in ein wie auch immer geartetes Abenteuer stürzen wird, sobald es um ihre wertvollsten Ressourcen geht, um die Frauen. Sie wird sich vielmehr in ihrer Heiratspolitik genauso zu sichern versuchen, um über die Runden zu kommen, wie in ihrer Sorge um das tägliche Brot.“ (Michael Oppitz, Onkels Tochter, keine sonst; Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya; Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1991; 1. Auflage, S. 166)
• „Innerhalb dieser kleinen, nur von engsten Verwandten und Nachbarn zusammengesetzten Gruppierungen kann es nun nicht die Absicht sein, die anderen durch clevere Schachzüge zu übervorteilen, sondern nur darum gehen, die in sich prekäre Balance zwischen den Allianzpartnern zu erhalten. Denn wer sich für die Ausgewogenheit der Transaktionen innerhalb des eigenen Tauschkreises einsetzt, begeht nicht nur eine uneigennützige Tat für die größere Gemeinschaft, er nützt auch der eigenen Gruppe in ihrem Bestreben nach Kontinuität einer aus der Erfahrung erprobten Beziehung.“ (Oppitz, Michael: Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Frankfurt am Main 1991. S. 168)
• „Die von den Magar bevorzugte Dreierallianz, begründet auf der über die Generationen hin wiederholten Verwandtenheirat mit der Kreuzcousine mütterlicherseits, ist folglich zu begreifen als ein bedachtes System gegenseitiger Selbstversicherung von Verwandten, nicht ein endlos offenes Abenteuer .“ (OPPITZ, Michael (1991): Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, Seite: 168.)
• „Eben, weil lange Zyklen mit zahlreichen Partnern unübersichtlich und unkontrollierbar werden, halten sie die ihren auf der kleinstmöglichen Größe – als eine Vielfalt selbständiger Dreierallianzen.“ (Oppitz, Michael 1991: Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis in einer Lokalkultur des Himalaya, Frankfurt a. M. : Suhrkamp, S. 168)
• „Die von den Magar bevorzugte Dreierallianz, begründet auf der über die Generationen hin wiederholten Verwandtenheirat mit der Kreuzcousine mütterlicherseits, ist folglich zu begreifen als ein bedachtsames System gegenseitiger Selbstversicherung von Verwandten, nicht ein endlos offenes Abenteuer, sondern ein geregeltes Verfahren der Parzimonie.“ (Oppitz, Michael (1991): Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 169.)
• „ Die heimlichen Institutionen, wie „das Zerbrechen der Knochen“, die „Milch- und Zitzenbrüderschaft“, die „Großmutter-Enkel-Heirat“ und die fiktive „Blutsgeschwisternschaft“ sind folglich alles andere als destruktive Einrichtungen. Indem sie defekte Tauschkreise zerschlagen, zwingen sie dazu, dass neue, stets nach dem ur-sprünglichen Modell geschaffen werden. Es sind Verfahren, die Vorherrschaft der einzig wahren Regel zu stüt-zen, Bewahrungsmechanismen für die vorgeschriebene Heirat mit der Tochter des Mutterbruders.“ (Michael Oppitz, Onkels Tochter, keine sonst: Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya, Textpassage: Die Mechanismen der Umgestaltung von Tauschkreisen (S. 171/191), Erste Auflage, (Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1991))
• "Über den Berg hinweg, in Ehen zwischen weiter entfernt gelegenen Dörfern, aber löst sich die Verwandtenheirat in nichts auf, während sie dort, intern, wiederum die alles bindende Regel ist." (Oppitz, Michael: Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1991, S. 213.)
• „In der Tat dürfte es schwerfallen, einen Bereich der Magarkultur zu nennen, der nicht vom Schatten jenes totalen sozialen Sachverhalts, den die asymmetrische Allianz verkörpert, erfasst oder zumindest berührt worden wäre.“ (Oppitz, Michael – 1991: Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, S. 277.)
• „Vielmehr ist das Heiratsystem ein allumfassendes soziales Phänomen, das praktisch in allen Bereichen der Kultur seinen Abdruck hinterlässt.“ (Oppitz, Michael 1991: Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Frankfurt am Main. Suhrkamp. S. 277.)
• „So ist die komische Oper der Kreuzkusinen-Heirat ein Kompromiß der Frauen zwischen Tradition und Umsturz: Einmal im Jahr geben sie die elementare Institution der Dreierallianz rundum der Lächerlichkeit preis – für den Rest des Jahres befolgen sie ihre unumschränkten Gesetze.“ (Oppitz, Michael 1991: Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis in einer Lokalkultur des Himalaya, Frankfurt a. M. : Suhrkamp, S. 345.)
• In ihrer derben Satire prangern die Frauen aber vor allem an, was die Vorschriftsheirat unterbindet: die freie Wahl des Ehepartners. (Oppitz, Michael 1991: Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main. S. 345)
• „Das dreifüßige Feuereisen ist wie die Dreierallianz. Die drei Füße, die in der Asche stehen, das sind die drei Gruppen des Tausches; der Ring, der sie zusammenhält, das sind die Mädchen, die wir tauschen; in den Töpfen, auf denen über dem Dreifuß gekocht wird, ist die Nahrung, der Fortbestand, die Nachkommenschaft. Das Feuer aber, ohne das die Nahrungsmittel, die Töpfe und die Feuereisen kalte Gegenstände wären, das ist die Glut von uns allen, so zu leben, wie die Ahnen es uns aufgetragen haben.“ (OPPITZ, Michael (1991): Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, Seite: 350.)
• „Dies ist zumindest das gesellschaftliche Ideal. In der Wirklichkeit geht es, besonders bei alkoholreichen Festen, nicht immer derart strikt und kategorial zu.“ ( Michael Oppitz, Onkels Tochter, keine sonst; Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya; Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1991; 1. Auflage, S. 356)
• „Die plötzliche Verwirrung, die sie durch Unfälle und unzeitgemäßen Tod anrichten, ist eingebettet in eine transzendentale Ordnung, in der auch sie nur teilnehmende Glieder sind.“ (Oppitz 1991, S. 387)
• „Tatsächlich löst die asymmetrische Allianz, wie die Magar sie praktizieren, auf bewundernswerte Weise ein dem System inhärentes, philosophisches Problem, nämlich den Gegensatz von Dualismus und Dreiteilung, der sich vor allem in den widerstreitenden Tendenzen nach Hierarchie und Egalität kundtut, in ein funktionsfähiges Ganzes zusammenzufügen.“ (Oppitz, Michael (1991): Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 455.)
• „Das eigentlich Egalitäre dieser ewigen Runde von Ungleichheit liegt darin begründet, daß jede der Gruppen eine den anderen Gruppen identische Erfahrung macht - gleichzeitig Gebender und Nehmender zu sein, hoch und niedrig, Herr und Knecht -, das eine stets nach der einen, das andere stets nach der anderen Seite.“ (Oppitz, Michael: Onkels Tochter, keine sonst. Heiratsbündnis und Denkweise in einer Lokalkultur des Himalaya. Frankfurt am Main 1991. S. 459)
• „Mit jeder Wendung der Geschichte, jeder Pointe, streift der Blick des Erzählers den einer jungen Frau. Heiratssystem? Schamanismus? Arme Anthropologen! Es ist ein Blick von der anderen, zwischen den Deckeln dieses Buches nicht vermerkten Seite des Lebens, einer jener flüchtigen Momente, in denen es den Menschen immer wieder gelingt, auch dem dichtesten Netz von Regeln zu entwischen.“ (Oppitz, Michael (1991): Onkels Tochter, keine sonst. Suhrkampverlag Frankfurt am Main, 1. Auflage 1991. S.460, letzter Absatz)

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