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Auf die Frage was dafür spricht, von Osteuropa als einen einheitlichen Raum zu sprechen, antworteten die befragten Experten mit Einheit. Der Experte aus Polen präzisierte den Begriff als Zentralosteuropa - von "Osteuropa" würde man heute nur sprechen, wenn man die früheren Sowjetstaaten meint. Diese Meinung teilten alle Experten - die Teilung in Ost und West hat deutlich mehr historische und politische, als geographische oder kulturelle Gründe. Unter anderen brachte Rustam Kasjanov aus Moskau den Begriff Osteuropa explizit mit der Epoche des Kalten Krieges und der bipolaren Welt in Verbindung:


"Osteuropa ist nach meinem Verständnis das Erbe des Jalta-Potsdam Internationalen Systems, wonach Europa politisch in eine westliche und eine östliche Hälfte geteilt wurde. Die Letztere geriet unter Kontrolle der UdSSR, weswegen man heute von Osteuropa als einen einheitlichen Raum sprechen kann."


Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung Thomas Krüger merkte jedoch an, dass der Begriff "Osteuropa" eher ein mentales Konstrukt sei, das je nach Perspektive interpretiert werden und je nach Kontext verschiedene Konnotationen annhemen kann. Daher kann man zumindest nach ihm nicht von Osteuropa als einem einheitlichen Raum sprechen. In ihrer Mehrheit waren sich die Experten jedoch einig, dass der Osteuropa-Begriff seine Bedeutung heutzutage gemeinhin immer noch stark den politischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts zu verdanken hat und größtenteils genutzt wird, um die früheren Länder des sozialistischen Blocks von Westeuropa zu trennen, obwohl das eine Vereinfachung der komplexen Wirklichkeit ist:


"Die Bezeichnung dieser Region als Osteuropa dient dem pragmatischen Zweck, denn es ist bequemer eine durch gemeinsame Merkmale verbundene Region, die viele Länder beinhaltet, mit einem Begriff zu definieren, als jedes Land einzeln benennen zu müssen." (Rustam Kasjanow)


Bei der Frage, welche Gemeinsamkeiten es unter den "osteuropäischen" Ländern gibt, wurde logischerweise ebenfalls vor allem die kollektive sowjetische Vergangenheit erwähnt: 


"Heutzutage wird Osteuropa in den Medien als wirtschaftlich weniger entwickelte Region mit erheblichem sowjetischem Erbe dargestellt. Wahrscheinlich sind aus diesem Grunde für Osteuropa überhebliches nationales Selbstbewusstsein sowie negative Haltung gegenüber der Sowjetunion sowie zum heutigen Russland besonders charakteristisch." (


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