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Auf die Frage, was dafürspricht, von Osteuropa als einem einheitlichen Raum zu sprechen, waren die befragten Experten einstimmig der Meinung, dass die Teilung in Ost und West eher historisch und politisch als geografisch oder kulturell begründet sei. Diesbezüglich brachte Rustam Kasjanov, Dozent des Lehrstuhls für Europäisches Recht am MGIMO, den Begriff Osteuropa explizit mit der Epoche des Kalten Krieges und der bipolaren Welt in Verbindung:

Osteuropa ist nach meinem Verständnis das Erbe des Jalta-Potsdam Internationalen Systems, wonach Europa politisch in eine westliche und eine östliche Hälfte geteilt wurde. Die Letztere geriet unter Kontrolle der UdSSR, weswegen man heute von Osteuropa als einen einheitlichen Raum sprechen kann.

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung Thomas Krüger merkte jedoch an, dass der Begriff Osteuropa eher ein mentales Konstrukt sei, das je nach Perspektive interpretiert werden und je nach Kontext verschiedene Konnotationen annehmen kann. Daher kann man zumindest nach ihm nicht von Osteuropa als einem einheitlichen Raum sprechen. In ihrer Mehrheit waren sich die Experten jedoch einig, dass der Osteuropa-Begriff, trotz definitorischer Unschärfe, seine Bedeutung heutzutage gemeinhin immer noch stark den politischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts zu verdanken hätte und größtenteils genutzt werde, um die früheren Länder des sozialistischen Blocks von Westeuropa zu trennen, obwohl dies eine Vereinfachung der komplexen Wirklichkeit ist:

Die Bezeichnung dieser Region als Osteuropa dient dem pragmatischen Zweck, denn es ist bequemer eine durch gemeinsame Merkmale verbundene Region, die viele Länder beinhaltet, mit einem Begriff zu definieren, als jedes Land einzeln benennen zu müssen. (Rustam Kasjanov, MGIMO)

Einige Experten sahen darin allerdings auch die Gefahr, dass durch eine solche Pauschalisierung Stereotypen reproduziert werden, da die Diskurse und Selbstzuschreibungen in den Ländern und Regionen missachtet werden. Bei der Frage, welche Gemeinsamkeiten es dennoch unter den "osteuropäischen" Ländern gibt, wurde logischerweise vor allem die kollektive kommunistische Vergangenheit erwähnt. Konkrete Vorschläge wie man diese Region alternativ benennen sollte, gab es mehrere: Einige Experten waren der Meinung, dass es vor allem aus geografischen Gründen schwierig wäre einen passenderen Begriff zu finden und dies auch gar nicht nötig bzw. mehr möglich wäre, andere meinten, dass man Osteuropa in mehrere Regionen unterteilen und eine Präzisierung stattfinden sollte: Etwa in "Länder der östlichen Partnerschaft", "Zentralosteuropa", "Südosteuropa" usw.

Spannend war, dass nicht alle Experten beobachten konnten, dass die Bevölkerung der "betroffenen" Länder es negativ aufnimmt, wenn sie als Osteuropäer bezeichnet werden, bzw. nur in einigen Bevölkerungsgruppen (z.B. Jugend). In Polen wiederum ist die Rede vom zivilisatorischen Unterschied zwischen dem "fortgeschrittenen" Westen und dem "rückständigem" Osten: 

People in Poland hearing that they´re from Eastern Europe perceive this as negative because it feels like a division between East and West. When Poland has entered the EU in 2004, the division disappeared temporarily. During the migration crisis in 2015-2016 we observed all the old divisions between East and West again: «West European states welcomed migrants and Eastern European states - the bad states - refused to cooperate. (Kamil Zajączkowski, European Studies at University of Warsaw)

Experten aus anderen Ländern hoben vor allem die Ablehnung der gemeinsamen sowjetischen Vergangenheit hervor, die in manchen Ostblock-Ländern als Okkupation gesehen wird. Der Begriff Osteuropa wird damit zum Symbol der Teilung Europas, der Unterdrückung, aber auch des Anders-Seins:

Der bereits erwähnten Emanzipation vieler Gesellschaften vom einstigen sowjetischen Hegemonen wird durch eine unreflektierte Verortung nicht ausreichend Rechnung getragen. Bezogen auf Gesellschaften im ehemaligen GUS-Raum kann der Begriff „Osteuropa“ gleichwohl als Klammer verstanden werden, die manchen geopolitischen Projekten Russlands entgegensteht. (Thomas Krüger, bpb)

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