Minsk, der zweite Befragungsort der Forschungsgruppe, zeichnete sich durch eine größere Stichprobe aus der Befragten aus. Wir führten insgesamt 8 qualitative Interviews, darunter ein Gruppeninterview mit unterschiedlichen Charakteren. Es gelang uns, Interviewpartner*innen im Alter von 19 bis 58 Jahren für sich zu gewinnen.
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Einfluss zweier Nachbarregionen
Der Staat Belarus steht im unter dem Einfluss zweier Nachbarregionen - dem europäischen Westeuropa und Russland - , der EU und Russlands, die unterschiedliche politische geopolitische Ziele verfolgen. Zum einen lässt sich vor allem in architektonischer Hinsicht ein europäischer Einfluss festmachen, zum anderen ist das sowjetische Erbe und der Einfluss der Russischen Föderation (Russisch als zweite Amtssprache usw.) bis heute spürbar:Dies wird in Anbetracht des Zwiespalts der belarussischen Regierung zwischen EU-Integration und Eurasischer Wirtschaftsunion, von der die belarussische Wirtschaft am meisten profitiert, deutlich. Hinzukommt, dass das sowjetische Erbe in Belarus, vor allem in Minsk, bis heute spürbar ist:
«Беларусь больше на Россию похоже чем на Евросоюз, здесь очень много осталось пережитков Советского союза, много контрастов между прошлым и настоящим»
Belarus ähnelt eher Russland als der Europäischen Union, hier findet man viele Überbleibsel aus der sowjetischen Vergangenheit, Kontrastе zwischen Vergangenheit und Gegenwart. (Jan)
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Frage nach der territorialen Zugehörigkeit
In Minsk stellten wir fest, dass unsere befragten BelarussenBelaruss*innen, die selbst die Bezeichnung "WeißrussenWeißruss*innen" ablehnen, ihr Land geografisch unterschiedlich verorten, die einen als Teil Europas (d.h. sie machen keinen Unterschied zwischen Ost und West), andere . Aus diesem Grund haben sich unterschiedlichste Lager gebildet: Für die einen (2 von 8) gehört Belarus zu Europa, davon ein Befragter, der Europas nicht in zweiteilen möchte. Andere Interviewpartner/innen (2 von 8) verorten Belarus in der Mitte bzw. im Herzen Europas (d.h. es gibt Unterschiede zwischen Ost und West) und wiederum andere als Teil Osteuropas genauso wie Russlandzwischen West- und Osteuropa) und eine Mehrheit (4 von 8) zählt Belarus zu Osteuropa. Außerdem wurde von diejenigen, die Belarus in der Mitte sehen, der Raum Osteuropa weiter östlich verortet, in diesem Fall beginnend in Russland.
Selbstwahrnehmung der Befragten
Mit anderen Worten verstehen sich die diejenigen Befragten, die Belarus zu Europa nicht in zweiteilenzählen, als Europäer per se. Diejenigen, die die öffentliche Meinung[1] teilen, dass Belarus im Herzen Europas liege, sehen sich lediglich vorwiegend als Belarussen. Zu Belaruss*innen. Zu guter Letzt stören sich diejenigen Befragten, die eine gewisse Verbundenheit zu Russland sowie sowjetische Überbleibsel , die Überbleibsel der sowjetischen Zeit in Belarus vernehmen, zweifeln aufgrund dessen der Ähnlichkeit zu Russland an der europäischen IdentitätBezeichnung „Europäer*innen“. Überraschenderweise entspricht die geografische Wahrnehmung nicht in jedem Falle der Selbstwahrnehmung der Befragten. Beispielweise grenz grenzt sich eine unserer Befragten Befragte, Irina, von der Bezeichnung "Osteuropäerin" ab. Stattdessen würde sie Irina sich eher als Europäerin bezeichnen, obwohl sie Belarus territorial der Region Osteuropa zuordnet. Ein anderer Befragter, Bogdan, stört sich wiederum nicht an der Bezeichnung "Osteuropäer", verweist aber darausdarauf, dass der Mensch das Individuum über multiple Identitäten verfügen kann.
Gibt es nennenswerte Unterschiede zwischen Ost und West?
Eine große Mehrheit (6 von 8) unserer Interviewpartner/innen aus Belarus nimmt deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westeuropa wahr, vor allem in kultureller Hinsicht gäbe es Unterschiede zwischen Ost und West:
«У нас, восточных европейцев, немножко другие традиции: мы более, наверное, открытые, более гостеприимные с точки зрения отношений»
Doch bei uns, Osteuropäern, gelten etwas andere Traditionen – wir sind viel offener und gastfreundlicher. (Irina)
Identitäts-, Zugehörigkeits- und Verbundenheitsgefühl
Ein weiterer interessanter Aspekt ist der vernommene Patriotismus in Belarus, der von denjenigen Belarussen das Identitäts-, Zugehörigkeits- und Verbundenheitsgefühl, das vor allem von denjenigen Belaruss/nnen geteilt wird, die ihr Land in der Mitte Europas, zwischen Ost-und Westeuropa, verorten. Auf dem Weg nach Warschau haben wir im Zug eine junge Frau aus Minsk interviewt, die - obwohl ihrer Ansicht nach Slawen und Europäer gleichgestellt sind - eine offensichtlich patriotische Haltung einnimmt, indem sie ihre Heimat im geografischen geographischen wie auch nationalen Sinne von West- und Osteuropa abgrenzt:
«Я славянин. Мы (Славяне и Европейцы) все одинаковые, мы люди скажем так. Но в каждый стране свои традиции, свои понятия жизни. Но я патриот, я как бы за Беларусью. В Беларуси все думают, что мы в сердце Европы, и мы находимся между Восточной и Западной Европой»
Ich bin Slawe. Wir (Slawen und Europäer) sind alle gleich. Sagen wir mal so, wir sind alle Menschen. Aber jedes Land hat seine eigenen Traditionen und Lebensansichten. Jedoch bin ich ein Patriot, ich stehe hinter Belarus. In Belarus denken alle, dass wir uns im Herzen Europas – zwischen Ost- und Westeuropa – befinden. (Natalia)
Eine Teilung in Ost- und Westeuropa sei auch durch die historischen Ereignisse bedingt, als sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zwei politische Pole bildeten, die sich gegenseitig bekämpft haben (Kapitalistischer "Westen" vs. Sozialistischer "Osten"). Gibt es nennenswerte Unterschiede zwischen Ost und West? Die Mehrheit der Befragten bejaht diese Frage, vor allem in kultureller Hinsicht:
«У нас, восточных европейцев, немножко другие традиции: мы более, наверное, открытые, более гостеприимные с точки зрения отношений»
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[1] Belarussische Forscher*innen kamen im Jahre 2003 zu dem Schluss, dass die geografische Mitte Europas sich in Belarus (Bitebskaja oblast‘) befindet: <https://news.tut.by/society/24075.html>